Oberhauser will "keine Wahlveranstaltung"

14. April 2004, 17:12
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TV-Duell soll endlich Inhalte liefern

Wien - Was im Wahlkampf bislang vermieden wurde, will ORF-Diskussionsleiter Elmar Oberhauser kommenden Donnerstag beim TV-Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten erwirken. "Ich will die beiden Kandidaten dazu bringen, dass sie möglichst viel miteinander reden", sagt er im STANDARD-Gespräch.

Zehn Tage lang habe er sich mit Wahlkampfmaterial zurückgezogen, um das TV-Duell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten vorzubereiten, sagt Oberhauser. Auch er hat den Eindruck, dass der Wahlkampf bisher kaum Inhalte bietet, dafür aber sehr viel Personality. Aus diesem Grund will Oberhauser kommenden Donnerstag vor allem eines: über Inhalte reden. Schon bei der Vorbesprechung (anwesend vonseiten der SPÖ: Heinz-Fischers Sekretär Bruno Aigner und Wahlkampfmanager Hans Besenböck, ÖVP: Personenkomitee-Organisator Kurt Bergmann und Wahlkampfchef Florian Krenkel) drängte Oberhauser darauf, dass beide Kandidaten einen Themenkatalog erarbeiten.

Oberhauser: "Ich hoffe, dass dadurch eine Diskussion zwischen den beiden entsteht und ich mich dann völlig zurücknehmen kann." Für den - wahrscheinlichen - Fall, dass dies nicht eintritt, hat er eine persönliche Themenliste erarbeitet. "Es wird sicher Dinge geben, die keiner der beiden von sich aus ansprechen wird. Das werde ich dann tun." Was auf dem Spickzettel steht, will Oberhauser nicht verraten. Neutralität, Pensionsreform und die innenpolitische Rolle des Präsidenten finden sich dort aber sicher.

Auf keinen Fall soll das TV-Duell Plattform für ungefilterte Selbstdarstellung der Kandidaten werden: Oberhauser: "Das Ganze soll sicher nicht der 184. Wahlkampfauftritt werden."

Erfahrung mit beiden Kandidaten hat Oberhauser. "Bei der ,Licht ins Dunkel'-Gala am 24. Dezember habe ich beide interviewt. Allerdings nacheinander, nicht miteinander." Einschätzungen gibt er vor einer Diskussion nicht ab: "Das habe ich mir zu Regel gemacht." Dass er und kein anderer ORF-Interviewer ausgesucht wurde, "ehrt" ihn. "Ich freue mich und ich mache das wirklich gerne."

Welche Frage er als Erstes stellen wird, entscheidet er "zwei Minuten vor Sendebeginn. Ich habe immer drei, vier Varianten vorbereitet. Das mache ich dann intuitiv." Zufrieden ist er, wenn er am Ende des Sendung das Gefühl hat, es war "interessant, inhaltsreich und spannend". Und als eines will er keinesfalls rüberkommen: als "Oberlehrer" der Nation. (to/DER STANDARD, Printausgabe, 14.4.2004)

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