Abgesoffen

16. April 2004, 22:00
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Na, der Gendarmerie wieder ein Schnippchen geschlagen? Wieder hintenherum auf dem Promille-Schleichwegerl nach Hause gekommen?

Na, der Gendarmerie wieder ein Schnippchen geschlagen? Wieder hintenherum auf dem Promille-Schleichwegerl nach Hause gekommen? Gratulation. Ein feines Vorbild für die jungen Leute, die sich in der Fahrschule noch mit theoretischen Nebensächlichkeiten wie Vorrangregeln abmühen müssen. In der Praxis kommt's ja auf ganz andere Dinge an.

Immer mehr Alkolenker sorgen dafür, dass Österreichs Straßen zum Schlachtfeld werden. Besorgnis erregend sei unter anderem die Uneinsichtigkeit der betrunkenen Verkehrsteilnehmer, sagen Experten. Sieben Jahre nach Einführung der 0,5-Promille-Grenze ist der anfängliche Effekt, nämlich ein Rückgang von Alko-Unfällen, längst verpufft.

Schuld sind nicht nur die eingangs erwähnten gemeingefährlichen Vorbilder. Schuld ist auch, dass es über die Jahre nie eine echte Kampagne mit allem Drum und Dran gegeben hat, um gerade Jugendliche davon zu überzeugen, dass im Rausch die Pferdestärken durchgehen. Halt, da gibt es doch dieses "Prost ohne Promille". Richtig, doch die Erinnerung täuscht, diesen Slogan hat sich ausgerechnet die Getränkeindustrie einfallen lassen - nicht ein Verkehrsminister, nicht eine Gesundheitsministerin und nicht deren Staatssekretäre.

Auch die auf ein jugendliches Publikum zugeschnittene Aktion "Don't drink and drive" ist irgendwo zwischen Hoffnungslosigkeit und Resignation abgesoffen. Schon klar, eine nachhaltige Kampagne kostet viel Geld und auch den Mut, unser Billigststrafenland auf ein internationales Niveau zu heben.

Politik lebt von Stimmen, und ob jemand nüchtern in der Wahlzelle verschwindet oder mit zwei Promille sein Kreuzerl macht, ist irrelevant. Wahlveranstaltungen mit Freibier sind keine Seltenheit, irgendein Schleichweg tut sich immer auf. (Michael Simoner/DER STANDARD; Printausgabe, 14.4.2004)

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