Deutsche Bahn hat Interesse an ÖBB-Güterverkehr

21. April 2004, 14:10
9 Postings

DB-Manager: Nur drei bis vier Bahnen werden in der EU überleben - Interesse für Zugang der Rail Cargo Austria zu Erweiterungsländern

Wien - Die Deutsche Bahn zeigt Interesse am ÖBB-Güterverkehr Rail Cargo Austria. "Wir denken als europäische Güterbahn. Die Rail Cargo Austria ist für uns sicher interessant", sagte der Wettbewerbsbeauftragte der Deutschen Bahn (DB), Alexander Hedderich, Dienstag am Rande einer Veranstaltung der Arbeiterkammer (AK) in Wien.

Keine Gespräche

Laut Verkehrsministerium, Eigentümervertreter der ÖBB, gibt es aber keine Gespräche mit den Deutschen. Auch Hedderich schließt kurzfris- tig einen Einstieg der DB beim ÖBB-Güterverkehr aus. Grundsätzlich sei eine strategische Beteiligung - wie bei jeder anderen europäischen Güterverkehrsbahn - aber "nicht ausgeschlossen". Vor allem in die Erweiterungsländer hätten die ÖBB bereits historisch bedingt "einen leichteren Zugang". Dies mache die Rail Cargo Austria zu einem "interessanten Partner". Vorstellbar seien Kapitalverschränkungen ebenso wie eine Kooperation nach dem Vorbild der Star Alliance im Luftverkehr. Entscheiden müssten sich aber die ÖBB. Die DB würde auch in den Wettbewerb am österreichischen Güterverkehrsmarkt gehen, sagt der deutsche Bahnmanager. Der DB-Güterverkehr heißt seit heuer Railion und ist Teil des DB-eigenen Logistikkonzerns Stinnes, der weltweit operiert.

Dänischen und Niederländischen Güterverkehr geschluckt

Den Güterverkehr der dänischen und der niederländischen Bahn hat Railion bereits geschluckt. Hedderich glaubt, dass in den nächsten Jahren nur drei bis vier große europäische Eisenbahngruppen über bleiben würden. Die nationalen Bahnen hätten sich überlebt. Die ÖBB müssten sich entscheiden, "in welcher Gruppe sie mitspielen wollen".

Bisher sei neben der DB nur die Schweizer Bundesbahn (SBB) ins europäischen Rennen eingestiegen. Dabei sein dürften darüber hinaus nur noch die italienische Bahn und vielleicht auch die französische Bahn, die jedoch mit Finanzierungsproblemen kämpfe. Die Ausgangsposition für die ÖBB, auch in der Liga der europäischen Bahnen mitzuspielen, habe sich in den vergangenen Jahren "nicht wirklich verbessert". Die Internationalisierungsstrategie von Ex-ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler sei "in den vergangenen vier bis fünf Jahren nicht konsequent weiterentwickelt worden".

"Enge Gespräche"

Noch deutlicher wurde am Montag der deutsche Eisenbahngewerkschafter Armin Lauer: Auch er meint, dass in den nächsten Jahren nur drei bis vier europäische Bahnen überleben würden: "Das Rennen wird sich bereits in den nächsten zwei bis drei Jahren entscheiden. Wer dann nicht in einem großen Verbund steht, wird verdrängt werden." Österreichs oberster Eisenbahngewerkschafter Wilhelm Haberzettl glaubt, das es bereits "enge Gespräche zwischen der Deutschen Bahn und den ÖBB gibt".

Dies wird jedoch von der ÖBB dementiert. "Es stellt sich nicht die Frage, ob wir uns der DB anschließen, sondern wer sich bei uns anschließen will. Wir brauchen keine Entwicklungshilfe. Wir haben unsere Aufgaben längst gemacht und ein Netzwerk in Ost- und Südosteuropa, das funktioniert", erklärte ÖBB-Kommunikationschef Michael Hlava am Dienstag. Der ÖBB-Güterverkehr verfüge über eine "signifikante Marktstärke in Österreich" und eine "starke Positionierung in Osteuropa". Der Branchenfokus der ÖBB sei gezielt auf Osteuropa ausgerichtet worden, die Erweiterung solle zusätzliches Wachstum bringen. (DER STANDARD Printausgabe, 14.4.2004, APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Dem Güterverkehr auf der Schiene soll nach Ansicht von Experten schon in den nächsten Jahren eine Konsolidierung in wenige Gesellschaften bevorstehen

Share if you care.