Auch Computer können Witze reißen

22. April 2004, 15:46
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Neue Systeme können Sätze analysieren und Humor daraus machen

Wien - Kann ein Computer Humor haben? Allenfalls einen blechernen, würde man meinen. Doch Kybernetiker arbeiten seit Jahren an Rechnern, die mit ihren Benutzern intelligente interaktive Gespräche führen können - inklusive Witz. Neueste Etappe in diesem Zweig der Forschung sind Systeme, die die Bedeutung ganzer Sätze analysieren und humorvoll uminterpretieren können.

"In einer Zeit, in der ein Großteil der Kommunikation zwischen Menschen über den Computer stattfindet, müssen PCs mehr als effizient sein", begründete Anton Nijholt von der Universität Twente, Niederlande, beim 17. Wiener Kongresses für Kybernetik seine Arbeit. "Computer als soziale Wesen, die die Menschen unterhalten, ja ihnen vielleicht sogar bei der Kommunikation von Emotionen assistieren, sind der nächste Schritt", sagte er im Gespräch mit dem STANDARD.

"Nur Wortspiele"

Bisher hatte es die Artificial Intelligence "nur" auf Computer gebracht, die Wortspiele erkennen und machen können. Die Wissenschafter programmieren dabei ihre Festplatten mit sprachlichen Zweideutigkeiten, die sie zu humoresken Äußerungen kombinieren können. Zwar fanden bei Probeläufen 60 Prozent der Testpersonen die Computerwitze lustig, jedoch seien die computerisierten Wortspiele "maximal von Nutzen für Werbetexter, die nach einem Slogan suchen", betonte Nijholt.

Das Team des Professors für Informationstechnologie arbeitet an Systemen, die auch die Bedeutung ganzer Sätze analysieren können. Denn um ein situationsbedingtes Witzchen machen zu können, "muss der Computer die Logik der Situation, ihren Kontext und ihre Bedeutung verstehen", betont Nijholt. Die witzigen Computer könnten den Schülern etwa den Unterricht versüßen.

"Ambient Intelligence"

Die Umsetzung könnte allerdings noch dauern. "Vor zehn Jahren dachte die Wissenschaft, heute sei sie so weit, dass wir mit einem Computer sprechen können wie mit der eigenen Mutter. Aber wir haben noch keinen einzigen solchen Computer", dämpft Nijholt zu große Erwartungen: Mit dem Bau eines Rechners mit dem spontanen Humor des Menschen sei erst in Jahrzehnten zu rechnen.

Europäische Forscherteams im Bereich der Künstlichen Intelligenz arbeiten derzeit auch an der "Ambient Intelligence" - Computer, die die Interaktionen und Bewegungen von Menschen im Raum verstehen. Auch für sie stellt sich das Problem, dass ein einziger Mensch für den Computer leichter handhabbar ist als mehrere. Für ein räumliches Verständnis, das der komplexen Wahrnehmung des Menschen gleichkommt, müssten die Forscher bei der Programmierung alle situativen Eventualitäten in Betracht ziehen können, die möglich sind. (Eva Stanzl/DER STANDARD, Printausgabe, 14.4.2004)

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