Fernseh-Match dürfte entscheiden

15. April 2004, 19:52
99 Postings

Noch eine Million unentschlossen, Meinungsforscher: TV-Duell extrem bedeutsam - derStandard.at wird live übertragen

Fast eine Million Wähler sind unentschlossen und haben am Donnerstag erstmals die Möglichkeit, die Präsidentschaftskandidaten live zu erleben. "Ohne Übertreibung wahlentscheidend" – so stufen Experten das TV-Duell ein. ÖVP und SPÖ stapeln dennoch tief.

***

Wien – Manchmal entscheidet ein Satz. "Sein S' nicht so gouvernantenhaft", kanzelte Bruno Kreisky 1975 den dozierenden Josef Taus ab – und damit war für Taus der Kanzlertraum ausgeträumt. Für den Politologen Fritz Plasser ist diese Debatte ein Beispiel, wie sehr Fernsehduelle den Wahlausgang beeinflussen.

Eine Million unentschlossen

Am Donnerstagabend treten Benita Ferrero-Waldner und Heinz Fischer in den TV-Ring – und Plasser hält diese Konfrontation für extrem bedeutsam: "Diesmal kann man ohne Übertreibung sagen, dass die Fernsehdebatte wahlentscheidend ist." Erstens sei mit fast einer Million der Anteil der Unentschiedenen sehr hoch. Und zweitens habe es bisher kaum Gelegenheit gegeben, die Präsidentschaftskandidaten zu erleben.

Ferrero weicht aus

Darüber kann die SPÖ gar nicht laut genug schimpfen: "Wir wollten drei TV-Konfrontationen, wir wollten ,Pressestunden‘, wir wollten Radiodebatten – und immer ist Ferrero-Waldner ausgewichen", empört sich SPÖ-Wahlkampfleiter Norbert Darabos.

Von Ausweichen könne keine Rede sein, kontert sein schwarzes Gegenüber, Florian Krenkel. Alle anderen Konfrontationen seien an Terminschwierigkeiten der Kandidaten gescheitert. Und überhaupt baue der Wahlkampf weniger auf Medienpräsenz als auf direkten Kontakt mit den Wählern.

Die Sparringpartner

Auch deshalb will die ÖVP die Debatte nicht zur Entscheidung hochstilisieren: Sie sei nur "tendenzverstärkend", spielt Exfernsehmann und "Benita"-Personenkomitee- Koordinator Kurt Bergmann die Bedeutung herunter.

Ob wahlentscheidend oder nicht – beide bereiten sich intensiv vor. Am Ostermontag war eine hochrangige ÖVP- Runde bei Ferrero-Waldner zu Gast in Baden. Nationalratspräsident Andreas Khol, Klubchef Wilhelm Molterer, Generalsekretär Reinhold Lopatka, Krenkel und Bergmann spielten "Sparringpartner" – und alle Themen durch.

Broukal coacht Fischer

Mit Fischer arbeitet Josef Broukal, der selbst schon TV- Duelle moderiert hat. Drei Ziele, sagt Broukal, müsse jeder TV-Kombattant im Auge haben: eigene Parteigänger bestätigen, die "kostbare Gruppe" der Unentschlossenen ansprechen – und den Gegner verunsichern. Dazu gebe es Techniken, etwa: "Kurz sprechen bewirkt oft mehr als lange Referate." Oder: Gegen eine Frau kann man nicht aggressiv sein. Und: Körpersprache wirkt. Wobei Broukal dazu sagt: "Trainieren muss man Profis wie Fischer nicht."

Nur Strategie besprechen – mehr Training gibt auch die ÖVP nicht zu: Ferrero-Waldner soll freundlich, fröhlich und offen wirken – als Gegensatz zum "oberlehrerhaften" (Bergmann) Fischer. Fischer wiederum, sagt die SPÖ, will inhaltliche Defizite ansprechen – etwa Ferrero-Waldners Position zum Irakkrieg.

Und nach dem TV-Duell startet die Nachbereitungsarbeit der Parteistrategen: Sie müssen möglichst laut den Sieger küren – natürlich immer den eigenen Kandidaten. (Eva Linsinger/Barbara Toth/DER STANDARD, Printausgabe, 14.4.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das TV-Duell am Donnerstag soll "inhaltsreich und spannend" werden - nach Wunsch vom Moderator Oberhauser.

Share if you care.