Thörl: Unfalllenker war stark alkoholisiert

13. April 2004, 19:25
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Zwischen 2,5 und 2,8 Promille im Blut - 19-Jähriger war am Sonntag in Musikgruppe gerast - zwei Menschen getötet

Graz - Jener 19-Jährige, der am Ostersonntag im obersteirischen Thörl mit einem PKW in eine Musikergruppe gerast war, hatte laut Staatsanwaltschaft zwischen 2,5 und 2,8 Promille Alkohol im Blut. Dies habe eine Untersuchung des gerichtsmedizinischen Institutes Graz ergeben, so Thomas Mühlbacher von der Staatsanwaltschaft Leoben. Bei dem Unfall waren zwei Musiker getötet und sechs verletzt worden. Haftantrag gibt es keinen, da laut Mühlbacher weder Flucht-, noch Verdunkelungs- oder Tatwiederholungsgefahr bestehen. Der Unglückslenker befindet sich schwer verletzt im Spital. Im Ort herrschen laut dem Bürgermeister "Betroffenheit und auch Zorn".

DNA-Analyse noch ausständig

Nach Angaben Mühlbachers wird noch eine DNA-Analyse auf der Fahrerseite des Unglücksautos durch geführt, um festzustellen, ob tatsächlich der 19-Jährige den Wagen gelenkt hat oder sein 17 Jahre alter Beifahrer. Letzterer wurde bei dem Unglück leicht verletzt. Allerdings deuteten das Blut auf der Fahrerseite sowie der Nasenbeinbruch des 19-Jährigen darauf hin, dass er der Lenker gewesen sei, so Mühlbacher. Angeklagt werden dürfte der junge Mann wegen "fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Umständen". Dies könnte mit Haft bis zu drei Jahren bestraft werden. Der 19-Jährige besitzt keinen Führerschein.

Seitens der Staatsanwaltschaft Leoben hieß es, man werde nun die Erstellung der Gutachten sowie den Strafantrag der Gendarmerie abwarten. Bezüglich des Autos, mit dem die beiden jungen Männer am Morgen des Ostersonntag in die 25-köpfige Musikkapelle gerast waren, ist noch unklar, auf wen die Zulassung lautet.

Betroffenheit und Zorn in Thörl

In Thörl herrschen laut Bürgermeister Siegfried Schrittwieser (S) "nach wie vor Betroffenheit und auch Zorn". Dass der Unglückslenker alkoholisiert war, "das ist nicht zu erklären, das versteht keiner", sagte Schrittwieser. Doch man merke auch, dass "alle in der Region mitfühlen". Für September wäre ein dreitägiges Fest zum 130-jährigen Bestandsjubiläum der Musikkapelle angesetzt gewesen, zusammen mit der Zehn-Jahres-Feier der Erhebung Thörls zur Marktgemeinde. "Das werden wir nicht absagen, das wäre nicht im Sinne unserer gestorbenen Musiker gewesen", sagte der Bürgermeister.

Besonders schlimm sei, dass jeder der beiden Toten drei Kinder hinterlasse und dass jeweils eine Tochter ebenfalls schwer verletzt sei. Doch solle laut Auskunft der Ärzte der Zustand der Verletzten stabil sein, sagte der Ortschef. Beim toten Vizebürgermeister Franz Rappold hätten sogar die Ehefrau und alle drei Kinder in der Kapelle gespielt. Die Verwandten der Opfer würden sich nun gegenseitig besuchen und zu helfen versuchen. Außerdem gebe es einen psychologischen Beratungsdienst der Kriseninterventionsstelle des Bezirks. (APA)

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