"Es ist immer Zeit für eine Frau"

15. April 2004, 19:44
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Laura Rudas, Wiens jüngste SP-Gemeinderätin, stellt sich im derStandard.at- Interview aber "voll" hinter Gusenbauer

Laura Rudas, Wiens jüngste Gemeinderätin der SPÖ, spricht sich im derStandard.at-Interview gegen Rot-Blau aus und stellt sich "voll" hinter Gusenbauer. Jugendliche Politikverdrossenheit kennt sie nicht.

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derStandard.at: Sie waren einen Monat lang Bezirksrätin und sind dann gleich in den Wiener Gemeinderat eingezogen. Reicht Ihre politische Erfahrung für Ihre Tätigkeit aus?

Laura Rudas: Dass man mit 23 keine 30-jährige Berufserfahrung mitbringt, ist klar. Aber es ist halt die Frage, ob man junge Menschen in der Politik haben will.

derStandard.at: Wie förderlich war der Familienname für den schnellen Aufstieg?

Laura Rudas: Ich würde sagen, es hatte weder Vorteile noch Nachteile. Es hatte keinen Einfluss.

derStandard.at: Wie viele "Junge" gibt es in der SPÖ im Wiener Gemeinderat?

Rudas: Im Gemeinderat sind wir drei unter 30-Jährige. Die Grünen haben eine Junge, ÖVP und FPÖ haben keine.

derStandard.at: Wie war Ihr Einstieg in den Gemeinderat?

Rudas: Das war schon schwierig. Da bekommt man Akten, also das ist schon eine ganz neue Welt. Oder bei der Angelobung: Auf der Galerie waren urviele Junge und haben geklatscht – und gleich einen Ordnungsruf bekommen. Da gelten eben andere Regeln.

derStandard.at: Es wird immer wieder davon geredet, dass Jugendliche politikverdrossen sind. Warum sind Sie das nicht?

Rudas: Weil ich eine wie viele Jugendliche bin und wir sind nicht politikverdrossen. Ich glaube nicht, dass es diese Politikverdrossenheit gibt, aber was ich schon glaube ist, dass es eine gewisse Art von Politikerinnen- und Politikerverdrossenheit gibt. Was aber nachvollziehbar ist.

derStandard.at: Sie treten für die Wahlaltersenkung auf 16 Jahre ein. Halten Sie Menschen in diesem Alter reif genug für politische Entscheidungen?

Rudas: Auf jeden Fall. Mit 16 trifft man Entscheidungen für sein Leben: Beende ich die Schule, mache ich eine Lehre? Das sind so gravierende Entscheidungen, da ist es ja lächerlich zu sagen "Sie sind nicht reif für eine Wahl". Abgesehen davon: Im Burgenland waren über 85 Prozent der 16- bis 18-Jährigen wählen bei den letzten Gemeinderatswahlen. Ich würde auch auf Bundesebene eine Wahlaltersenkung machen.

Aber nur Wählen lassen reicht nicht. Man muss die Jugendlichen in politische Entscheidungen auf allen Ebenen einbinden, zum Beispiel zur Frage "wie gestalte ich einen Park". Wir merken das im 15. Bezirk, wenn wir Jugendliche – über Bezirksparlamente oder auch so – in Entscheidungen einbinden, wie gierig die sind, wie sehr sie mitgestalten wollen. Die wissen ganz genau, wie sie ihren Park haben wollen.

derStandard.at: Sie haben zur Unterzeichnung des Pensions-Volksbegehrens aufgerufen. Sind Sie zufrieden mit dem Ausgang?

Rudas: Auf jeden Fall. Natürlich hätte ich gerne noch mehr Unterschriften gehabt, das ist ganz klar. Und natürlich, de facto fährt die Regierung eh drüber, da brauchen wir gar nicht herumreden. Aber es ist trotzdem Thema geworden, und das ist schon wichtig: Dass die Jugendlichen nicht das Gefühl haben, dass sie alleine gelassen werden.

derStandard.at: Sie sind Publizistik-Studentin. Fällt Ihnen eine kommunikationswissenschaftliche Theorie zur Beschreibung der derzeitigen Kommunikations-Leistung der SPÖ ein?

Rudas: Die Kommunikation ist ehrlich. Vielleicht würde jetzt ein PR-Experte auf meiner Uni was kritisieren, das kann sein. Aber ich bin keine PR-Expertin. Also, ich freue mich, dass ich mich für diese SPÖ engagieren kann. Ich glaube, es ist eine ehrliche und politische SPÖ.

derStandard.at: Wie stehen die Jungen in der SPÖ zum Kärnten-Pakt?

Rudas: Zunächst: Ich bin urfroh, dass ich Wiener Abgeordnete bin. Wir haben eine ganz klare Linie und zwar "mit der FPÖ nicht", und schon gar nicht mit der Wiener FPÖ, die ja der Kärntner FPÖ ähnlich ist. Obwohl man dazu sagen muss, dass es in Kärnten eine Zwangskoalition war. Aber trotzdem: nach nur zwölf Stunden Verhandlungen eine Koalition mit Haider einzugehen, das ist nicht mein Stil.

derStandard.at: Denken Sie, dass Rot-Blau auf Bundesebene Realität werden könnte?

Rudas: Also im Moment ist es für mich unvorstellbar. Ich weiß nicht, was in 40 Jahren sein wird. Aber man sieht ja, was nachkommt: Gudenus zum Beispiel. Wenn das der Nachfolger ist: Nein.

derStandard.at: SPÖ-Chef Gusenbauer wurde in letzter Zeit auch parteiintern kritisiert. Soll er abgesetzt werden?

Rudas: Nein, auf keinen Fall. Ich habe ihn ja gewählt. Ich stehe auch voll hinter ihm.

derStandard.at: Wie viel Kontakt hat der Parteichef zur Basis?

Rudas: Es ist halt schwierig, in neun Bundesländern einen Kontakt zur Basis zu haben. Aber ich habe ihn schon oft gesehen. Also ich glaube, dass er einen guten Kontakt hat.

derStandard.at: Ist es Zeit für eine Frau an der Spitze der SPÖ?

Rudas: Es ist immer Zeit für eine Frau, das stimmt. Wir haben auch sehr viele kompetente Frauen an wichtigen Stellen. In Wien zum Beispiel die Renate Brauner, Stadträtin für Personalfragen, Konsumentenschutz und Integration. Und wir haben in Wien auch 50 Prozent Frauen in der Stadtregierung.

derStandard.at: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Rudas: In fünf Jahren, also 2009? Na ja, ich hoffe, noch im Gemeinderat – und bitte: fertig mit dem Studium. Fünf Jahre, also da möchte ich schon Magister sein.

Mit Laura Rudas sprachen Sonja Fercher und Rainer Schüller
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