Thomas Muster, Kapitän ohne Honorar

21. April 2004, 12:09
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Wolner: "Muster sollte auf unserer Tafel der Großsponsoren aufscheinen"

Wien - Vielleicht wollte er damit auch ein Zeichen in Richtung Spieler setzen, zumindest ist es wohl auch als ein kleiner Dank an den Tennissport an sich zu verstehen: Thomas Muster, der am Dienstag in Wien einen Vertrag bis Ende 2006 unterzeichnete, wird diesen Job nur für den Ersatz seiner Spesen ausüben und erhält kein Honorar. "Eigentlich sollte Thomas Muster auf unserer Tafel der Großsponsoren aufscheinen", meinte ÖTV-Präsident Prof. Ernst Wolner zum Vertrag mit dem 36-jährigen Steirer.

Dass für Muster das Geld bei der Annahme dieser Funktion nicht im Vordergrund gestanden ist, hat er immer wieder betont. Darum sprach er zunächst auch gar nicht über Vertragsdetails. "Wenn es funktioniert, dann ist der Vertrag doch völlig egal. Und wenn es nicht funktioniert, dann dauert er ohnehin immer zu lange", scherzte Muster, für den das Projekt Daviscup nach der Auslosung am Dienstag "jetzt so richtig losgeht".

Ein Mann für den Hintergrund

Muster bekräftigte, dass er den Spielern keinesfalls die Show stehlen will. "Ich spiele ja nicht. Und ich werde mich so weit es geht in den Hintergrund rücken, denn der Daviscup ist eine Plattform der Spieler", versucht er mit allen Bedenken auszuräumen. Er möchte aber freilich nicht nur an den Daviscup-Wochenenden auf der Bank sitzen, sondern den Akteuren und deren Trainern "jederzeit zur Verfügung stehen". Ob es allerdings mit den jeweiligen Trainerkonzepten in Einklang stehen würde, ließ er dahin gestellt.

Erste Gespräche mit Melzer, Koubek und Co. wird Muster im Rahmen des ATP-Turniers in St. Pölten führen, außerdem plant er eine Rückkehr an den Schauplatz seines größten Triumphes, zu den French Open nach Paris sowie natürlich auch einen Trip nach Kitzbühel. "Auf der Bank kann ich nur versuchen, mein taktisches Wissen einzusetzen, schauen, dass eine gute Stimmung in der Mannschaft ist und einfach aus jedem Spieler das Beste herausholen", so der frühere Weltranglisten-Erste.

Revival gegen Boris Becker

Natürlich verbindet den österreichischen Rekord-Daviscupper (45:18-Gesamtsiegbilanz/36:18 Single-Bilanz) auch von seinen Erinnerungen her vieles mit diesem Traditionsbewerb, am Freitag in zwei Wochen spielt er in der Wiener Stadthalle auch aktiv ein "Revival" gegen Boris Becker. "Daviscup erregt mehr Emotionen bei Spielern und beim Publikum, weil da ja die Nation spielt", meint Muster und erinnert sich natürlich auch an die vielen Streitigkeiten, die auch in seiner aktiven Zeit entstanden sind. "Die hat es immer wieder gegeben, aber auch weil Profis mit Amateuren gesprochen haben."

Muster ist für "hieb- und stichfeste Verträge auf Jahre hinaus" und auch die Bereitschaft der Spieler, "längerfristig zu diesem Team zu gehören und dem Verband zur Verfügung zu stehen". Dass es dementsprechend aber auch Adaptionen in den Verträgen geben müsse, sei klar.

"In einem Vakuum zwischen Abstieg und Aufstieg"

Österreich stuft er ähnlich stark ein wie schon in seinen Zeiten. "Wir befinden uns in einem Vakuum zwischen Abstieg und Aufstieg. Doch nun wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass wir mehr an die Weltgruppe anschließen können."

Was Muster übrigens ausschloss, ist eine Rolle wie John McEnroe, der sich teilweise auch selbst nominierte. "Die Zeit bleibt auch im Tennis nicht stehen. Wir haben zwei sehr gute Spieler und ich werde meine Erfahrungen anderweitig einbringen." (APA)

  • Der neue Daviscup Kapitän Thomas Muster (r.) und OETV-Präsident Ernst Wolner am Dienstag.

    Der neue Daviscup Kapitän Thomas Muster (r.) und OETV-Präsident Ernst Wolner am Dienstag.

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