Deutsche Bahn an ÖBB-Güterverkehr interessiert

13. April 2004, 19:01
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DB-Manager: Nur drei bis vier europäische Bahnen werden überleben - Haberzettl ortet bereits "enge Gespräche zwischen DB und ÖBB"

Wien - Die Deutsche Bahn zeigt Interesse am ÖBB-Güterverkehr Rail Cargo Austria. "Wir denken als europäische Güterbahn. Die Rail Cargo Austria ist für uns sicher interessant", sagte der Wettbewerbsbeauftragte der Deutschen Bahn (DB), Alexander Hedderich, am Dienstag am Rande einer Veranstaltung der Arbeiterkammer (AK) in Wien. Laut Verkehrsministerium, Eigentümervertreter der ÖBB, gibt es aber keine Gespräche mit den Deutschen.

Auch Hedderich schließt kurzfristig einen Einstieg der DB beim ÖBB-Güterverkehr aus. Grundsätzlich sei eine strategische Beteiligung - wie bei jeder anderen europäischen Güterverkehrsbahn - aber "nicht ausgeschlossen". Vor allem in die Erweiterungsländer hätten die ÖBB bereits historisch bedingt "einen leichteren Zugang". Dies mache die Rail Cargo Austria zu einem "interessanten Partner".

Kapitalverschränkungen vorstellbar

Vorstellbar seien Kapitalverschränkungen ebenso wie eine Kooperation nach dem Vorbild der "Star Alliance" im Luftverkehr. Entscheiden müssten sich aber die ÖBB. Die DB würde auch in den Wettbewerb am österreichischen Güterverkehrsmarkt gehen, sagt der deutsche Bahnmanager.

Der DB-Güterverkehr heißt seit heuer Railion und ist Teil des DB-eigenen Logistikkonzerns Stinnes, der weltweit operiert. Den Güterverkehr der dänischen und der niederländischen Bahn hat Railion bereits geschluckt, auch in der Schweiz und in Italien ist das Unternehmen bereits an Privatbahnen beteiligt. Mit der französischen Bahn betreibt Railion ein Joint Venture. Weitere Akquisitionen sind geplant.

Drei bis vier europäische Bahnen werden überleben

Hedderich glaubt, dass in den nächsten Jahren nur drei bis vier große europäische Eisenbahngruppen überleben würden. Die nationalen Bahnen hätten sich überlebt. Jeder, der dies übersehe, mache einen "irreparablen Fehler". Die ÖBB müssten sich daher entscheiden, "in welcher Gruppe sie mitspielen wollen". Bisher sei neben der DB nur die Schweizer Bundesbahn (SBB) ins europäischen Rennen eingestiegen. Dabei sein dürften darüber hinaus nur noch die italienische Bahn und vielleicht auch die französische Bahn, die jedoch mit Finanzierungsproblemen kämpfe.

Die Ausgangsposition für die ÖBB, auch in der Liga der europäischen Bahnen mitzuspielen, habe sich in den vergangenen Jahren "nicht wirklich verbessert". Die Internationalisierungsstrategie von Ex-ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler, sei "in den vergangenen vier bis fünf Jahren nicht konsequent weiterentwickelt worden". Er glaube daher, dass die ÖBB "einen starken Partner brauchen", meint Hedderich.

Rennen wird bald entschieden

Noch deutlicher wurde am Montag der deutsche Eisenbahngewerkschafter, Armin Lauer: Auch Lauer meint, dass in den nächsten Jahren nur drei bis vier europäische Bahnen überleben würden. "Das Rennen", sagt er, "wird sich bereits in den nächsten zwei bis drei Jahren entscheiden. Wer dann nicht in einem großen Verbund steht, wird verdrängt werden", glaubt der deutsche Gewerkschafter.

Österreichs oberster Eisenbahngewerkschafter Wilhelm Haberzettl glaubt, das es bereits "enge Gespräche zwischen der Deutschen Bahn und den ÖBB gibt". Die Weichen für den Verkauf seien mit der ÖBB-Reform bereits gestellt worden, "in kürzester Zeit" werde es "keinen eigenständigen ÖBB-Güterverkehr mehr geben".

Das Verkehrsministerium dementiert allerdings. "Der Eigentümervertreter führt keine Gespräche bezüglich Verkauf und hat auch nicht die Absicht", hieß es aus dem Ressort von Vizekanzler Hubert Gorbach (F) am Dienstag auf APA-Anfrage. Ziel der laufenden ÖBB-Reform sei es, die Marktanteile der ÖBB im Güterverkehr nicht nur zu erhalten, sondern sie auch weiter auszubauen, so das Ministerium.(APA)

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