Österreichische Stromlösung: APC-Verkauf für Mai erwartet

16. April 2004, 14:03
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Zwie Interessenten in der Endrunde - Ball liegt nun bei Brüssel

Wien - Der Verkauf der Verbund Großkunden-Tochter APC, wichtigste Auflage der EU-Kommission zur Genehmigung der Österreichischen Stromlösung (ÖSL), soll in den nächsten Wochen über die Bühne gehen. Man gehe davon aus, dass der Verkauf im Lauf des Monats Mai finalisiert werde, sagte ein Verbund-Sprecher heute, Dienstag, zur APA. Zwei Offerte seien nach Brüssel geschickt worden, man sei zuversichtlich, dass beide Angebote den wettbewerbsrechtlichen Anforderungen entsprechen. Der Ball liege nun bei Brüssel.

Großkunden müssen abgegeben werden

Die EU-Kommission hatte als eine Auflage für die ÖSL - die Kooperation von Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Energie AG Oberösterreich, Linz AG und Bewag) - die Abgabe eines Teils des Großkundengeschäfts im Ausmaß von 3 TWh an einen Dritten festgesetzt. An der APC hält der Verbund 55 Prozent, die Salzburg AG ist mit 10 Prozent beteiligt und die Energie Steiermark Holding AG (EStAG) mit 35 Prozent.

Die EStAG hat auf ihr Vorkaufsrecht an der APC verzichtet. Damit sei die größte Hürde für den Verkauf der Großkundentochter genommen, so der Verbund-Sprecher. Die Salzburg AG habe sich mit dem Verbund verständigt, ihren Anteil abzugeben, so Vorstandssprecher Arno Gasteiger.

Slowenen und Tiroler interessiert

Als die beiden Kandidaten, die in die Endrunde für die APC gekommen sind, werden in Medienberichten der Tiroler Landesversorger Tiwag und die slowenische Istrabenz genannt. Aus dem Verbund und der EnergieAllianz werden offiziell keine Namen von Interessenten genannt.

Eine weitere Auflage der Brüsseler Wettbewerbshüter ist de facto erfüllt: Der Verbund muss sich von seinen 20 Prozent-Anteilen an den Kleinkunden-Vertriebsgesellschaften "Unsere Wasserkraft" und MyElectric trennen. Unsere Wasserkraft wird zur Gänze von der EStAG übernommen, die bereits 80 Prozent an dem Unternehmen hält. Bereits abgegeben hat der Verbund seinen Anteil an MyElectric, der vom 80-Prozent-Eigentümer Salzburg AG übernommen wurde.

Weitere EU-Auflagen

Zudem verzichtet der Verbund in Erfüllung der EU-Auflagen bis Ende 2007 auf die Ausübung wesentlicher Einflussrechte beim steirischen Regionalversorger Steweag-Steg, an dem auch die EStAG beteiligt ist. Außerdem muss die der EnergieAllianz angehörende Energie AG Oberösterreich (EAG) bis Ende 2007 ihre Stimmrechte bei der Salzburg AG, an der sie die Sperrminorität hält, an einen Treuhänder übertragen. Eine Verlängerung dieser Auflagen nach 2007 hat die EU bei der Genehmigung der ÖSL im Juni vergangenen Jahres nicht vorgesehen. Die Kommission erwartet bis dahin auf Grund der Umsetzung der neuen Strommarkt-Richtlinie eine deutliche Steigerung des Wettbewerbs.

Im Zuge der ÖSL soll unter Führung des Verbund der Bereich Stromhandel zusammengeschlossen werden, unter der Führung der Energie Allianz der Großkundenvertrieb. Zu diesem Zweck wird sich die EnergieAllianz zu einem Drittel an der Verbund-Stromhandelstochter Austrian Power Trading (APT) beteiligen und umgekehrt der Verbund mit 33 Prozent bei der EnergieAllianz-Vertriebstochter "e&s neu" einsteigen. Ergänzt wird diese Teilfusion durch eine gemeinsame Kraftwerkseinsatzplanung und -steuerung. Die Stromnetze und die Kraftwerke an sich werden weiter getrennt geführt. Insgesamt rechnen die ÖSL-Partner mit Synergien in Höhe von 80 Mio. Euro im Jahr, die sich in etwa zu gleichen Teilen auf Verbund und EnergieAllianz aufteilen sollen. (APA)

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