Tunnelkommission: Totalüberwachung auf Österreichs Straßen als Vision

15. April 2004, 21:34
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Radarpistolen vor dem Aus? - Österreich für neue EU-Tunnel-Richtline ab 22. April gut gerüstet

Die totale Überwachung auf Österreichs Straßen mittels digitaler Videoüberwachung und Section Control ist die Vision der österreichischen Tunnel-Kommission, die am Dienstag zum 12. Mal in Wien tagte. "Das ist die Zukunft, nur so wird mehr Sicherheit gewährleistet", sagte Willy Matzke vom ÖAMTC, der als Experte der Kommission angehört. "Die Radarbox ist ein Anachronismus." Allerdings werde es noch Jahre dauern, bis diese Vision Realität werde, so die Sprecher der Kommission.

Matzke äußerte sich am Dienstag auch skeptisch über die weitere Verwendung von Radarpistolen. "In unseren Nachbarländern ist eine Tempomessung ohne Dokumentation nicht üblich." Tests der Technischen Universität (TU) in Wien hätten außerdem ergeben, dass bei Messungen mit Radarpistolen und gleichzeitig mit Lichtschranken Unterschiede bis zu 30 Prozent vorkommen.

Section Contorl wird als positiv bewertet

Erfolgreich fiel die Bilanz der Kommission in Sachen Section Control aus, die derzeit in Österreich exklusiv im Kaisermühlentunnel eingesetzt wird. "3.548 Anzeigen hat es in den Monaten Jänner und Februar 2004 gegeben, die Unfallzahl ist auf Null zurückgegangen", sagte Hermann Knoflacher, Vorsitzender der Tunnel-Komission und Professor für Verkehrsplanung an der TU in Wien. "Dazu kommen noch 500 bis 600 Anzeigen von Fahrzeugen aus Osteuropa." Diese Anzeigen landen aber mangels bilateraler Vereinbarungen, so Knoflacher, "im Mistkübel". Man befinde sich aber in Gesprächen mit dem Innenministerium, um das künftig zu ändern bzw. um mehr Sofort-Anhaltungen zu bewirken. "Die Lenker wissen, dass ihnen nichts passiert und bolzen einfach durch. Das ermuntert aber auch wieder die Österreicher, schneller zu fahren", beschrieb Knoflacher die Spirale, die es zu stoppen gelte.

Rekonstruktion von Unfällen möglich

Die digitale, lückenlose Video-Überwachung wird derzeit in zehn österreichischen Tunneln eingesetzt. "Damit ist auch die Rekonstruktion von Unfällen möglich", sagte Knoflacher. Ein ganz besonderes Anliegen der Kommission ist künftig die bessere Überwachung der Tunnel-Portale. Gut bewährt habe sich schon jetzt die LED-Beleuchtung am Boden, die Erneuerung der Bodenmarkierung und der Ausbau der Fluchtwege. "Österreich ist, was die Tunnel-Sicherheit betrifft, in Europa führend", so Knoflacher.

Deshalb sei man auch für das In-Kraft-Treten der neuen EU-Tunnel-Richtlinien, die am 22. April im EU-Parlament verabschiedet wird, bestens gerüstet. Nur sechs Tage später veröffentlicht eine Expertenrunde bestehend aus ÖAMTC, ADAC und deutschen Ingenieuren Ergebnisse von europaweiten Tunneltests, die derzeit durchgeführt werden. "29 befinden sich auf dem Prüfstand, darunter sechs aus Österreich", verriet Matzke. Diese Tests werden bereits nach den Vorgaben der neuen EU-Richtlinie, die auch eine zweite Röhre auf Autobahnen vorschreibt, durchgeführt.

Thema: Zahl der Tunnelröhren

In der österreichischen Tunnel-Kommission gab es keine Einigkeit über dieses Thema. Während der ÖAMTC die zweiröhrigen Tunnels vehement befürwortet, sieht Knoflacher in der vorliegenden Unfall-Analyse kein unbedingtes Plädoyer für die zweite Röhre. Matzke: "Es wurden nur die Unfalldaten bis 2001 berücksichtigt und damit ist die Analyse völlig unaktuell." Es habe, so der ÖAMTC-Experte, nach dem Bau einer zweiten Röhre im Ambergtunnel auf der Rheintalautobahn bei der Umfahrung Feldkirch "dort keine Unfälle mehr gegeben, außerdem habe sich die Luftqualität im Raum Feldkirch um ein Vielfaches verbessert". Heuer werden noch im Plabutschtunnel (A9) und im Gräberntunnel (A2) zusätzliche Röhren in Betrieb genommen. (APA)

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