Jobs und Gewinne stagnieren am Bau

13. April 2004, 18:41
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Trotz guter Auftragslage - Bauindustrie beklagt explodierende Stahlpreise, Vergabepolitik der öffentlichen Hand

Wien - Die heimische Bauindustrie hat im vergangenen Jahr um fast 10 Prozent mehr Umsatz gemacht und erwartet sich für die nächsten Jahr weiterhin ein Wachstum von vier bis fünf Prozent. Dennoch schlägt sich die durch hohe Infrastrukturausgaben verursachte gute Auftragslage bisher weder in der Zahl der Beschäftigten noch in den Unternehmensgewinnen nieder. "Wir sind wohl die einzige Branche weltweit, die bei einem massiven Mengenwachstum kein Gewinnwachstum ausweisen kann", meinte Porr-Chef Horst Pöchhacker am Dienstag.

Billigsbieterprinzip

Pöchhacker, auch Präsident des Branchenverbandes der Bauindustrie (VIBÖ) machte für dieses Phänomen hauptsächlich die Vergabepolitik der öffentlichen Hand ("Billigstbieterprinzip") und explodierende Preise für Baustahl verantwortlich.

Deutliche Impulse erwartet sich die heimische Bauwirtschaft von der EU-Erweiterung in drei Wochen: "Ich nehme an, dass die österreichischen Firmen in den nächsten Jahren signifikante Gewinne im (östlichen, Anm.) Ausland machen werden", meinte der VIBÖ-Präsident in Wien vor Journalisten. Die Probleme, die durch Konkurrenz aus dem Osten auf den österreichischen Markt zukämen, "werden nicht so dramatisch" ausfallen, meinte Pöchhacker. Nach der Erweiterung müsse in den neuen Ländern so viel in den Infrastrukturausbau gesteckt werden, dass Firmen und Leute in den neuen EU-Ländern "gut beschäftigt" würden. "Der Druck aus Deutschland ist momentan unangenehmer als die zu erwarteten Effekte aus der Erweiterung."

Konkurrenzverhalten

Pöchhacker bezog sich mit diesen Äußerungen auf das Konkurrenzverhalten vor allem kleiner deutscher Baufirmen, die vor der Bauflaute im großen Nachbarland auf den österreichischen Markt ausweichen. Um überleben zu können, böten diese Firmen - etwa im Straßenbau - zu nicht kostendeckenden Preisen an und würden in diesem Wettbewerbsverhalten durch das von den öffentlichen Händen verfolgte Billigstbieterprinzip begünstigt, sagte Pöchhacker. Dies führe letztlich meistens zu höheren statt niedrigeren Kosten für den Auftraggeber. Private Auftraggeber dächten dem gegenüber "nicht im Schlaf daran, nach dem Billigstbieterprinzip vorzugehen."

Im Zug des Stahlbooms der vergangenen Monate sind auch die Preise für Baustahl um etwa 50 Prozent gestiegen - was sich gerade in den Verträgen mit öffentlichen Bauherren nur schwer abwälzen lasse. Die Kostensteigerungen bei Stahl machten zwar anteilig nicht mehr als zwei bis vier Prozent des Preises aus, seien für die Baufirmen aber trotzdem deutlich spürbar, meinte Pöchhacker. Bei der Porr (rund 2 Mrd. Euro Umsatz) schlägt der teure Stahl mit etwa 4 Mio. Euro an zusätzlichen Kosten zu Buche.

Beschäftigungseffekte gering

Trotz des Auftragbooms im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Beschäftigten in der Bauwirtschaft nur geringfügig gestiegen. Gründe für dieses Phänomen seien zum einen Rationalisierungen und zum anderen die Tatsache, dass der zuletzt besonders expansive Tiefbau weniger arbeitsintensiv als der Hochbau sei, hieß es. Ungelernte Arbeiter würden zunehmend durch Maschinen ersetzt. Auf der anderen Seite des Arbeitsmarkts fehlten aber dringend benötigte Bau-Facharbeiter, hieß es. In den 9.000 Firmen der heimischen Bauwirtschaft finden insgesamt rund 250.000 Menschen Beschäftigung.

Die Bauproduktion in Österreich belief sich laut Statistik Austria im vergangenen Jahr auf 10,8 Mrd. Euro, was einem Plus von 7,9 Prozent entspricht. Im Jahr davor hatte der Produktionswert um lediglich 1 Prozent zugelegt, 2001 war der Sektor sogar um 3 Prozent geschrumpft. (APA)

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