Schweden: Lindh-Mörder legt Berufung ein

14. April 2004, 16:56
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Mijailovic bestreitet Vorsatz - Verteidigung beharrt auf Überprüfung des psychiatrischen Rechtsgutachtens

Stockholm - Der als Mörder der schwedischen Außenministerin Anna Lindh verurteilte Mijailo Mijailovic hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Dies teilte das Stockholmer Oberlandesgericht am Dienstag mit. Der 25-jährige Sohn serbischer Zuwanderer war am 23. März mit lebenslanger Haft bestraft worden, weil er am 10. September vergangenen Jahres Schwedens populärste Politikerin "mit Vorsatz und kaltblütig" erstochen hatte.

Mijailovic hatte die Tat gestanden, bestritt aber vor Gericht jede Tötungsabsicht und machte schwere psychische Störungen sowie den "Zwang innerer Stimmen" für sein Handeln aus einem plötzlichen Impuls geltend. Das Gericht hatte die lebenslange Haftstrafe unter anderem damit begründet, der Mann habe seine Tat zumindest mehrere Minuten lang geplant.

Neue Hauptverhandlung muss innerhalb von fünf Wochen stattfinden

Die neue Hauptverhandlung vor dem Berufungsgericht muss nun innerhalb von fünf Wochen stattfinden. In der von Anwalt Peter Althin am Dienstag kurz vor Mittag eingereichten Berufung verlangt Mijailovic, dass das Berufungsgericht schon vorher beschließt, ob die schon im erstinstanzlichen Prozess von der Verteidigung beanstandete rechtspsychiatrische Untersuchung Mijailovics noch einmal geprüft werden soll, meldete die Nachrichtenagentur TT.

Laut Verteidiger Althin bestehen weiterhin starke Zweifel am Beurteilungsergebnis der Untersuchung, die Mijailovic keine ernste psychische Störung zum Tatzeitpunkt bescheinigte. Beobachter erwarten außerdem, dass Mijailovic in der neuen Verhandlung erneut seine Tötungsabsicht bei der Attacke auf Außenministerin Lindh abstreitet. (APA/dpa)

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