Warnung vor "Aufmarsch der Neonazis" am 1. Mai

15. April 2004, 13:11
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"Nationaldemokratisches Aktionsbüro" ruft zu Demonstration auf - Antifaschistische Linke und Rosa Antifa planen Gegenveranstaltung

Wien - Die "Antifaschistische Linke" (AL) und "Rosa Antifa Wien" (RAW) warnen laut Aussendung vor einem "Aufmarsch der Neonazis" am 1. Mai in Wien. Das "Nationaldemokratische Aktionsbüro" (NDAB) ruft für diesen Zeitpunkt unter dem Motto "EU - Nein Danke! Wir Nationaldemokraten sind gegen die Globalisierung und Amerikanisierung sowie gegen den Hang zur Multikultur in Österreich" zu einer Demonstration. AL und RAW wollen eine Gegenkundgebung veranstalten und rufen gleichzeitig die SPÖ auf, im Anschluss an ihren traditionellen Mai-Aufmarsch an der "Demonstration gegen die Neonazis" teilzunehmen.

Sicherheitsbüro bestätigt Anmeldung

"EU Nein Danke", "National statt global" und "Jetzt auf nach Wien"-Slogans bestimmen den Internetauftritt der "Nationaldemokraten". Das Sicherheitsbüro hat am Dienstag erklärt, dass eine Kundgebung angemeldet ist, ob es sich um diese "nationaldemokratische" handelt, wurde nicht bestätigt.

"Gleicher Personenkreis"

Für AL (Antifaschistische Linke) und "Rosa Antifa Wien" handelt es sich um eine Demonstration der Österreichischen Neonazis. In einer Aussendung wird angekündigt: "Gegenaktivitäten sind bereits in Planung".

Hinter der NDAB steckt laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) der gleiche Personenkreis, der bereits im Frühjahr 2002 eine Aufmarsch am Wiener Heldenplatz durchgeführt hat. Der Hersteller des NDAB-Flugblattes für die Demo am 1. Mai war im Führungskader der als neanazistisch eingestuften "Kameradschaft Germania" und "maßgeblich mitverantwortlich für die Neonazi-Kundgebung gegen die "Wehrmachtsausstellung" am 13. April 2002 in Wien. Im Sommer 2002 versuchte er weiters in Salzburg eine Demonstration gegen "linke Gewalt" zu organisieren, die dann jedoch behördlich untersagt wurde.

Ursprünglich warb die NDAB mit der auf den Nationalsozialismus bezug nehmenden Parole "erster Mai seit ’33 arbeitsfrei" (siehe Screenshot von RAW), welche dann aber durch "EU-Nein Danke" ausgetauscht wurde.

Die NDAB selbst weist - laut Internet - die Kritik zurück: Man habe keinerlei "neonazistischen Touch".

"Unwahrheiten"

Auf der NDAB-Homepage gibt es einen Link zur "Initiative gegen Linksextremismus", wo der Text der AL bzw. "Rosa Antifa"-Aussendung widergegeben und kommentiert wird. Dort steht zu lesen, dass der "Rosa Antifa"-Text "mit zahlreichen Unwahrheiten bestückt" und man auf die angekündigten Gegenaktivitäten "schon gespannt" sei.

Vom Westbahnhof zum Heldenplatz

Treffpunkt der Demo ist der Wiener Westbahnhof, 12 Uhr. Marschiert werden soll über die Mariahilfer Straße zum Burgring, und weiter - sichtlich zum Heldenplatz. "Komm am 1. Mai in die Hauptstadt und hilf mit den Globalisierungswahn zu stoppen. Zeig, dass nicht Politiker, Parteien, Beamte und Kammern nach Belieben über uns bestimmen können. Zeig Brüssel, dass du eine eigene Meinung hast - und diese auch sagst! Heraus zum 1. Mai - mit vereinten Kräften walten! Wir Nationaldemokraten sind gegen die Globalisierung und Amerikanisierung sowie gegen den Hang zur Multikultur in Österreich.", so der Text des Flugblattes.

"Kampftag der ArbeiterInnenbewegung"

Michael Bonvalot, Sprecher der AL, erklärt: "Wir werden nicht zulassen, dass am 1. Mai Neonazis durch Wien marschieren. Der 1. Mai ist der Kampftag der ArbeiterInnenbewegung - und das wird auch so bleiben!" (APA/red)

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