Worte für die Fernbedienung

27. April 2004, 10:39
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Neue Sprachsteuerungen werden auch als Hilfe für Behinderte entwickelt

Das Licht einzuschalten, die Lautstärke des Fernsehers lauter zu drehen oder das Programm zu wechseln sind für die meisten Menschen ganz gewöhnliche Handgriffe - aber nicht für alle. Stark Körperbehinderte etwa können manchmal nur mit großer Mühe nach diversen Schaltern greifen und tun sich mit den kleinen Knöpfen durchschnittlicher Fernbedienungen schwer. Auf die Steuerung per Sprache setzen daher einige bereits am Markt erhältliche Produkte, mit denen sich per Kabel, Infrarot oder Funk Telefon, Licht, Fernsehen und einige wenige andere Geräte über eine Distanz von bis zu 15 Metern beeinflussen lassen.

Funktion

Die einem Schnurlostelefon bzw. einer klassischen Fernbedienung ähnlichen Geräte verstehen die Befehle durch eine integrierte Spracherkennungseinheit. "Allerdings funktionieren sie nicht unabhängig vom Sprecher, sondern müssen auf jeden Menschen gesondert eingestellt werden", sagt Gerhard Nussbaum vom Kompetenznetzwerk Informationstechnologie zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen im Softwarepark Hagenberg. Damit die Geräte unabhängig vom Sprecher funktionieren, ist derzeit noch viel Rechenleistung nötig, um mit der geringen Stromleistung von Batterien auszukommen.

Möglichkeiten

Auch am Computer eröffnen sich behinderten Menschen durch Spracherkennung neue Möglichkeiten, wie Klaus Miesenberger vom Institut für integriertes Studieren der Universität Linz herausfand. Im Rahmen des Projekts Voice entwickelte er speziell für Besprechungen und Präsentationen eine Software, mit der gehörlose und stark sprachbehinderte Menschen mit anderen kommunizieren können. Zwei Wege stehen dazu offen: Einerseits können die Betroffenen anhand eines großen Bildes des Gesprächspartners von den Lippen ablesen. Andererseits wird das Gesprochene von einer Spracherkennungssoftware in Text übertragen und läuft als Untertitel mit. Miesenberger warnt davor, die Vorbereitung zum erfolgreichen Einsatz von Spracherkennungssystemen zu unterschätzen: Ohne entsprechendes Training und die Rücksichtnahme auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Betroffenen "fühlen sich die Menschen schnell überfordert und werden das Interesse verlieren". (DER STANDARD Printausgabe, 13.04.04)

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