Hannelore Valencak 1929 - 2004

18. April 2004, 18:01
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Lyrikerin, Erzählerin und Autorin von Frauenporträts 75-jährig verstorben

Wien - Die vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin Hannelore Valencak ist in der Nacht auf Karsamstag 75-jährig gestorben. Im Mittelpunkt ihres Werkes standen selbst erfahrene Schwierigkeiten bei der Vereinbarung von Berufstätigkeit und schriftstellerischer Ambition. Weiters veröffentlichte die auch im P.E.N.-Vorstand aktive Autorin lyrische Texte, Erzählungen und zahlreiche Kinder- und Jugendbücher.

"Vier junge Kapfenberger"

Am 23. Jänner 1929 in Leoben-Donawitz geboren, wuchs Valencak in Kapfenberg auf. Bereits während ihres Physikstudiums trat sie als Lyrikerin hervor, so veröffentlichte sie etwa 1954 "Vier junge Kapfenberger". Nach ihrer Promotion 1955 war sie zunächst in der steirischen Stahlindustrie tätig. 1962 übersiedelte sie als Patentsachbearbeiterin nach Wien, wo sie sich ab 1975 ausschließlich ihrer schriftstellerischen Karriere widmete.

Prosatexte

Die Prosatexte Valencaks zeigen zumeist Frauenfiguren in Konflikten mit ihrer Umgebung, die selten gesellschaftlich motiviert, aber psychologisch plausibel und schlüssig gestaltet werden. Eines der Hauptthemen ist dabei das autobiografische Problem der Vereinbarung von Beruf und künstlerischer Tätigkeit wie im Roman "Vorhof der Wirklichkeit" (1972).

Bezeichnendster Aspekt des erzählerischen Werkes Valencaks ist der spielerische Umgang mit Zeit- und Bewusstseinsebenen, der im wiederholten Erleben der Vergangenheit ("Zuflucht hinter der Zeit", 1967, Neuauflage unter dem Titel "Das Fenster zum Sommer", 1977) sowie im verändernden Eingriff in Zurückliegendes ("Das magische Tagebuch", 1981) auch die Frage nach Willensfreiheit und Vorherbestimmung stellt. Weiters veröffentlichte Valencak die Romane "Die Höhlen Noahs" (1961), "Ein fremder Garten" (1964) sowie zahlreiche Kinderbücher, darunter "Montag früh ist nicht das Leben" (1970), "Ich bin Barbara" (1974), "Meine schwererziehbare Tante" (1975), "Meine unbezahlbare Schwester" (1984) sowie "Bettina und das eiserne Versprechen" (1989).

Auszeichnungen

Ausgezeichnet wurde Valencak unter anderem mit dem Anerkennungspreis des Georg-Trakl-Preises für Lyrik des Landes Steiermark (1954), dem Lyrikpreis der Stadt Graz (1956), dem Österreichischen Staatspreis für Romane (1957), dem Peter-Rosegger-Literaturpreis des Landes Steiermark (1966) sowie dem Österreichischen Staatspreis für Kinderbücher (1977). (APA)

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