FBI sucht nach Entführten

15. April 2004, 22:46
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Bereits rund vierzig Ausländer aus zwölf Staaten verschleppt - Regierungen rufen zur Ausreise auf

Bagdad - Im Irak sind nach US-Angaben doppelt so viele Ausländer verschleppt worden wie bisher bekannt. Derzeit würden schätzungsweise 40 Geiseln aus zwölf verschiedenen Staaten festgehalten, sagte der Sprecher der US-geführten Koalition, Dan Senor, am Dienstag in Bagdad. Mehrere Regierungen riefen ihre Bürger zur Ausreise auf und warnten vor Reisen nach Irak.

Die italienische Regierung bestätigte die Geiselnahme von vier Italienern. Aus Falluja und Umgebung wurden trotz der vereinbarten Waffenruhe neue Kämpfe gemeldet. In der Nähe der Stadt wurde ein US-Helikopter durch Schüsse zur Notlandung gezwungen.

FBI im Einsatz

Zur Suche nach den ausländischen Geiseln sei mittlerweile auch die US-Bundespolizei FBI im Einsatz, sagte Senor. Die Beamten fahndeten gemeinsam mit dem Militär und irakischen Sicherheitskräften nach den Entführten und ihren Geiselnehmern. Die Koalition werde sich auf keinen Fall auf Verhandlungen einlassen, betonte er. Es sei "im Interesse aller", wenn die Verschleppten so rasch wie möglich wieder freigelassen würden.

Bisher wurden vier Italiener, neun US-Bürger, drei Tschechen, drei Japaner und ein Kanadier als entführt oder vermisst gemeldet. Wer die anderen 20 Geiseln waren, von denen Senor berichtete, war zunächst nicht klar. Das Außenministerium in Rom bestätigte, vier italienische Mitarbeiter einer US-Sicherheitsfirma würden seit Montag vermisst.

Zwei weitere Japaner entführt

Im Irak sind nach Angaben eines japanischen Politikers zwei weitere Japaner entführt worden. Mindestens einer von ihnen sei Journalist, sagte der japanische Oppositionspolitiker Yukihisa Fujita am Mittwoch in der jordanischen Hauptstadt Amman. Die beiden Männer seien in Abu Gharib westlich von Bagdad gekidnappt worden, als sie in einem Taxi zu einem am Dienstag bei Falluja nach feindlichem Beschuss notgelandeten US-Hubschrauber unterwegs gewesen seien. Der genaue Zeitpunkt der Entführung war zunächst unklar. Der Taxifahrer habe den Vorfall einer Nichtregierungsorganisation gemeldet.

Ungewissheit

Drei tschechische Journalisten wurden seit Sonntag vermisst. Auch über das Schicksal der Mitte vergangener Woche entführten drei Japaner herrschte weiter Ungewissheit. Seit Ablauf eines Ultimatums am Montag gab es keine Nachricht von den Entführten.

Acht Mitarbeiter eines russischen Energieunternehmens sowie sieben Chinesen kamen dagegen wieder auf freien Fuß. Das russische Unternehmen Technoprom kündigte nach der vorübergehenden Entführung seiner fünf ukrainischen und drei russischen Mitarbeiter den Abzug aller 370 Mitarbeiter aus dem Zweistromland an.

Technoprom ist am Bau eines Kraftwerks in der Nähe von Bagdad beteiligt. Die russischen Ministerien für Verteidigung und Katastrophenschutz bereiteten sich auf eine Evakuierung aller Landsleute aus Irak vor, wie Igor Iwanow, Chef des Sicherheitsrats, in Moskau erklärte.

"Aktuelle Schwierigkeiten"

Frankreich rief seine Bürger eindringlich zur Ausreise aus Irak auf. Alle Reisen in das Zweistromland sollten angesichts "der aktuellen Schwierigkeiten" verschoben werden, sagte Premierminister Jean-Pierre Raffarin in Paris. Zuvor hatten bereits die Koalitionspartner Großbritannien, Polen und Tschechien ihre Bürger vor Besuchen in Irak gewarnt.

Aus der Widerstandshochburg Falluja berichtete ein AFP-Reporter von Luftangriffen und schwerem Gefechtslärm. Am Dienstagabend seien mindestens vier Luftangriffe geflogen worden. Bei Kämpfen vor den Toren der Stadt wurden mindestens ein US-Soldat getötet und sieben weitere verletzt. Geschossen wurde auch auf Rettungshelfer, die Verwundete aus dem abgestürzten US-Helikopter hatten retten wollen, wie ein US-Offizier mitteilte.

Der Transporthubschrauber des Typs MH-53 sei durch Schüsse zu einer Notlandung gezwungen worden, teilte US-General Mark Kimmit mit. Dabei habe es drei Verletzte gegeben. Ein zweiter US-Offizier sagte, beim Beschuss der Rettungskräfte an der Absturzstelle rund 20 Kilometer südöstlich der Stadt habe es weitere Opfer gegeben.

Der Bagdader Bürochef des radikalen irakischen Schiitenführers Moktada Sadr wurde am Dienstag nach eigenen Angaben von US-Soldaten festgenommen und nach wenigen Stunden wieder freigelassen. (APA)

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    Das Schicksal der drei entführten japanischen Staatsbürgern ist weiterhin ungewiss.

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