Umfrage: Fischer punktet als Verfassungshüter, Ferrero wirkt eher modern

15. April 2004, 23:06
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Meinungsforscher betonen deutliche Unterschiede der Kandidaten

Linz - Mögen die bisher veröffentlichten Umfragen auch einen mehr oder weniger deutlichen Vorsprung von Heinz Fischer vor Benita Ferrero-Waldner signalisieren - "gelaufen ist das Rennen deswegen noch nicht", ist der Chef des Linzer Meinungsforschungsinstituts market, Werner Beutelmeyer, überzeugt.

Beutelmeyer verweist darauf, dass die Kandidaten in einer für den STANDARD vor Ostern durchgeführten Umfrage ganz unterschiedliche Profile aufweisen: "Wir haben 400 Personen gebeten, sich vorzustellen, wie die jeweiligen Kandidaten das Amt des Bundespräsidenten ausfüllen könnten - und diese in die Zukunft gerichtete Frage zeigt die Außenministerin in fünf von zehn Punkten klar vorne, den Nationalratspräsidenten nur in einer."

Und das sind die Punkte, an denen die Kandidaten Profil gewinnen:

  • "Wacht streng über die Verfassung" - das trauen 28 Prozent Heinz Fischer "sehr gut" und 35 Prozent immerhin "gut" zu. Zwar wird auch Ferrero-Waldner zugetraut, die Verfassung zu hüten; dass sie das "sehr gut" könne, nehmen aber nur 16 Prozent an. Jeder elfte Befragte (und jeder sechste aus dem rot-grünen Lager) sagt aber, dass Ferrero das nicht könnte

  • "Ist international angesehen" - das ist die Dimension, in der die Außenministerin mit 47 Prozent "sehr gut" und weiteren 31 Prozent "gut" am besten abschneidet. Der Nationalratspräsident kommt nur auf 19 plus 37 Prozent.

  • Die zweite große Stärke von Ferrero-Waldner ist, dass ihr

    "klare Vorstellungen, wie es in Europa weitergehen soll", zugetraut werden: 33 Prozent geben die Note "sehr gut", 37 Prozent die Note "gut" - für Fischer lauten die Vergleichswerte 19 plus 37 Prozent.

  • Dass Ferrero-Waldner "für ein modernes Österreich" stünde, halten 30 Prozent für "sehr gut" und 38 Prozent für "gut" möglich; Fischers Werte lauten 18 plus 39 Prozent.

  • 28 Prozent können sich "sehr gut", weitere 32 Prozent "gut" vorstellen, dass Ferrero "neue Kontakte für die Wirt-schaft" aufbauen würde - Fischer trauen das nur zehn Prozent "sehr gut" und 37 Prozent "gut" zu, elf Prozent gar nicht.

  • "Ohne Parteizwang entscheiden" wird beiden Kandidaten nur von weniger als der Hälfte der Befragten zugetraut - Ferrero-Waldner aber immerhin von 16 plus 33 Prozent (von 16 Prozent gar nicht), Fischer nur von 12 plus 29 Prozent (20 Prozent gar nicht).

    Etwa gleich stark ausgeprägt bei beiden Kandidaten sind die Dimensionen

  • "moralische Autorität" zu sein,

  • "Verständnis für die Sorgen der Österreicher" zu haben, die Fähigkeit,

  • "unangenehme Wahrheiten auszusprechen", und

  • "Ausgleich zwischen politischen Extremen" zu schaffen. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.4.2004)
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