Kasernen für Asylwerber sofort öffnen

26. April 2004, 17:41
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Diakonieleiter Michael Chalupka fordert im STANDARD-Gespräch die sofortige Öffnung von Kasernen

Wien - Um die Obdachlosigkeit von "derzeit rund 1000" Asylwerbern zu beenden, müssten "jetzt sofort Kasernen für die Unterbringung geöffnet" werden. Anderenfalls werde es "weit über den 1. Mai hinaus" eine beträchtliche Anzahl von Flüchtlingen ohne Unterkunft geben: So weit die Überlegungen und Forderungen, mit denen Diakonieleiter Michael Chalupka in die angekündigten Gespräche mit dem Innenminister gehen möchte.

Solche Gespräche werde es bald nach Ostern geben, hatte es vor den Feiertagen geheißen. Konkreter Termin für ein Treffen sei noch keiner festgelegt, präzisiert Chalupka nun.

Übergangslösung

Die Kasernenöffnung, so betont er, dürfe nur "eine Übergangslösung für höchstens zwei Monate" sein. Nur so werde es möglich sein, lokale Widerstände zu überwinden. Der Einzug von Asylwerbern in die leer stehenden Objekte sei "binnen Tagen" möglich: Das Rote Kreuz sei schon seit Monaten vorbereitet.

In den zwei gewonnenen Monaten dann müssten "der Innenminister und die Regierung das Gespräch mit den Bürgermeistern in den ab Mai für die Flüchtlingsunterbringung zuständigen Ländern suchen. Und zwar die Regierung "bis hin zum Bundeskanzler", nicht wie bisher einfache Beamte", die vielfach "überfordert" seien.

Aufklärungsarbeit

Zentral nämlich, so der Diakoniechef, werde die Aufklärungsarbeit in den Bundesländern sein. Etwa um das Missverständnis auszuräumen, dass in Österreich im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr anerkannte Asylwerber lebten als in anderen Staaten der EU. Zuletzt hatte der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) gefordert, die diesbezüglichen Quoten in der EU gerechter zu verteilen.

Die Asylantrag-Anerkennungsquote, so Chalupka, sei in Österreich extrem niedrig. Dennoch sei zu befürchten, dass mittelfristig auch anerkannte Flüchtlinge in Österreich auf der Straße stehen. Wegen des Mangels an Integrationsangeboten und den daraus folgenden Schwierigkeiten bei Job- und Wohnungsfinden nähmen diese derzeit Unterbringungsplätze für Asylwerber in Beschlag. (Irene Brickner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.4.2004)

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