Die Alitalia hat wenig Chancen

18. April 2004, 18:49
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Eine Krisensitzung am Donnerstag entscheidet über das weitere Schicksal - Insider: Unternehmen befindet sich in der Hand der Politik und der Gewerkschaften

"Die Alitalia befindet sich derzeit in der Hand der Politik und der Gewerkschaften", analysiert ein Insider aus dem Unternehmen die prekäre Situation der noch zu 62 Prozent vom Staat kontrollierten italienischen Fluggesellschaft.

Trotz der kritischen Lage lähmen politische Divergenzen innerhalb der Regierung seit Monaten das Management. Zehn verschiedene Gewerkschaften vertreten die über 22.000 Alitalia-Beschäftigten und machten bislang den dringend nötigen Personalabbau unmöglich.

Nun will die Regierung am Donnerstag in einer Krisensitzung über die Zukunft der Fluggesellschaft entscheiden. Das einstige Rettungskonzept scheiterte am politischen Widerstand der Arbeitnehmervertreter. Der erst seit einem Monat amtierende Konzernchef Marco Zanichelli hat zwar beste Beziehungen zur Regierungspartei Alleanza Nazionale und gute Kontakte zu den Gewerkschaften. Aber er ist kein Vollblutmanager: von seinem versprochenen Sanierungsplan sind kaum Spuren vorhanden.

Nettoschulden gestiegen

Die Alitalia-Nettoschulden sind 2003 um ein Drittel auf 1,4 Mrd. gestiegen. Der operative Verlust hat sich bei dem um zehn Prozent gesunkenen Umsatz (4,38 Mrd. ) auf 373 Mio. mehr als verdoppelt. Ein weiteres Alarmzeichen ist, dass Alitalia die detaillierten Jahresergebnisse 2003 mit zweimonatiger Verspätung, am 20. Mai vorlegen wird. Im ersten Quartal '04 soll sich die Krise noch verschärft haben.

Streit herrscht auch über das "politische" Sanierungskonzept. Der Beschäftigungsabbau scheint vorerst ein Tabu zu sein. Die Regierung will nicht vor den Europawahlen unpopuläre Maßnahmen ergreifen, die Gewerkschaften laufen gegen Personalkürzungen Sturm. Alitalia zählt heute 22.540 Beschäftigte, zehn Prozent mehr als 1999. Gleichzeitig sank die Passagierzahl um ebenfalls zehn Prozent.

Kein Sparkurs

Während die von der internationalen Branchenkrise betroffenen europäischen Konkurrenten inzwischen von den längst eingeleiteten Sparmaßnahmen profitieren, liegt der Alitalia-Sparkurs ad acta.

Jüngste "Erfolge", wie etwa die von Brüssel gebilligte Allianz mit Air France, ändern nichts an der Krisensituation. Von der geplanten Fusion mit KLM und Air France ist kaum mehr die Rede. Denn die Partner forderten vor der Ehe die Sanierung und Privatisierung der Alitalia. Die Privatisierung wurde von Regierungschef Berlusconi vorerst ausgeschlossen.

Nun bastelt die Regierung an einem neuen Rettungsplan. Gerüchte, wonach Alitalia in eine "bad" und eine "best company" geteilt werden soll, bezeichnete der ehemalige Alitalia-Konzernchef Roberto Schisano als Blödsinn. "Für eine ,best company' müsste ein gesunder Konzernzweig vorhanden sein, dieser limitiert sich aber einzig auf die Kurzstreckenflüge Mailand-Rom", so der Topmanager. Auch Regierungschef Berlusconi wehrt sich gegen eine Teilung. Stimmen, wonach sich US-Fonds beteiligen wollen, wurden dementiert. "Es gibt keine ausländischen Interessenten", sagte ein Regierungssprecher. Der Sturzflug der Alitalia zum regionalen Flieger scheint unausbleiblich. (Thesy Knes-Bastaroli aus Mailand, 13.04.2004)

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    Zehn Prozent weniger Passagiere, zehn Prozent mehr Belegschaft: Die mehrheitlich staatliche Fluglinie Alitalia scheint nicht mehr konkurrenzfähig.

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