Leiden an einer Win-Win-Situation

13. April 2004, 09:57
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Wenn die Austria in Mattersburg spielt, liegt für den STANDARD der Gedanke nahe, den violetten Landeshauptmann Hans Niessl ins Pappel-Stadion zu bitten

Mattersburg - Im Grunde war Hans Niessl am Karsamstag in einer Lage, die er im Zusammenhang mit der europäischen Erweiterung gerne seinem Land bescheinigt: in einer Win-Win-Situation. Immerhin ist er nicht nur burgenländischer Landeshauptmann, sondern auch bekennender Austriafan. Was also hätte seinem emotionalen Haushalt schon groß passieren können in der Viertelfinalbegegnung in Mattersburg? Eigentlich nur die 120 Minuten dieser Partie, die sowohl für den burgenländischen Landeshauptmann als auch für den Austriafan ein paar gewichtige Unsäglichkeiten beinhalteten.

Vor dem Match - zu dem der STANDARD ihn aus nahe liegenden Gründen gebeten hatte, wohl wissend, dass der Stammgast im Pappel- wie im Horrstadion trotz österlicher Polittermine keine Extraeinladung benötigt - war die Sache klar. "Mattersburg", prophezeite oder wünschte sich der Landeshauptmann, "steigt ins Halbfinale auf." Dafür aber, erwog der violette Aficionado, "wird die Austria Meister". 120 Minuten später erwogen beide besorgt, ob man ein lebenslanges Bekenntnis wie das zur Austria "ruhend stellen kann". So erbärmlich präsentierte sich der österreichische Meister, dass es einem die Sprache wenn schon nicht verschlagen, so doch in manchen Momenten beinahe entgleisen lassen konnte. Der violette Landeshauptmann gelangte während der Partie jedenfalls zu einer ansonsten eher gemiedenen analytischen Schärfe.

"Arrogant" erschienen ihm die Austrianer, die noch dazu darunter litten, "dass keiner der Chef ist, keiner die Verantwortung übernimmt". Die Partie plätscherte - jedenfalls aus violetter Sicht - initiativenlos dahin, bis Troyanski dem Wolfgang Hopfer das Nasenbein brach (23.), wofür bemerkenswerterweise wenig später Dietmar Kühbauer die Rote sah. Die zehn Burgenländer zeigten dennoch weitaus mehr "Herz" gegen die bis zur 45. Minute elf Wiener. Dann schickte der bis dahin kaum zu kommentierende Schiedsrichter Meßner Afolabi vom Platz.

An Hans Niessls Analyse - "Die Austria hat ein Problem: Sie ist keine Mannschaft" - hatte sich bis ins Elferschießen nicht zu ändern. Dort verlor Mattersburg dann deutlich, aber: "Elfer zu schießen ist auch Glück, Konditions-und Konzentrationssache." Er selbst sei, sagt er, nie die erste Wahl als Elferschütze gewesen, aber die, die er geschossen hatte, die saßen.

Bis in die Regionalliga hat er es geschafft - erst als Spieler, dann als Spielertrainer, dann als Trainer, wofür er mit dem Austrianer Tommy Parits auch eifrig die Schulbank gedrückt hat. Das wäre, sagt er, durchaus auch eine vorstellbare Jobmöglichkeit gewesen. Jetzt coacht er stattdessen eben die burgenländische Landesregierung, erfreut sich nebenher des Erfolgs von Mattersburg und leidet an seinem violetten Herz. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD Printausgabe 13. April 2004)

  • Landeshauptmann und Fußballfan: Hans Niessl.

    Landeshauptmann und Fußballfan: Hans Niessl.

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