Der Trust als steuersparende Variante der Privatstiftung

16. April 2004, 14:00
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Die Errichtung eines Trusts ist bei heimischen Vermögen noch kaum verbreitet, könnte sich zwecks steueroptimaler Gelderhaltung aber lohnen, sagt Steuerexperte Michael Sedlaczek in STANDARD-Gespräch

Standard: In Zeiten niedriger Zinsen und magerer Erträge fallen die Steuern auf Vermögen stärker ins Gewicht. Steuerorientierte Veranlagungspolitik ist gefragt. Was raten Sie Ihren Klienten?

Sedlaczek: Grundsätzlich stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Mäntel über die Portfolios zu legen oder bestimmte Produkte direkt zu halten.

STANDARD: Mäntel sind beispielsweise Stiftungen?

Sedlaczek: Ja, auch mit der 2001 eingeführten Besteuerung der Zinserträge in Höhe von 12,5 Prozent ist die Stiftung ein ideales Vehikel zum Vermögenserhalt. Allerdings: Ich hätte mir erwartet, dass diese Steuer den anglo-amerikanischen Trust begehrter macht.

STANDARD: Was kann ein Trust?

Sedlaczek: Er gilt als Sondervermögen, das an Dritte mit einer bestimmten Widmung übertragen wird. Er basiert auf der Aufspaltung des Eigentumsrechtes in eine formelle und eine wirtschaftliche Komponente. Ein Trust braucht also einen Errichter, einen Trustee (Manager) und Begünstigte. Unter bestimmten Voraussetzungen ist diese Konstruktion ertragssteuerlich intransparent, das heißt, Erträge werden dem Sondervermögen zugerechnet. Erträge können so steueroptimal wieder veranlagt werden - so wie bei den Stiftungen vor der neuen Steuer. Zuwendungen von Vermögen an eine österreichische Privatstiftung dagegen unterliegen einer fünfprozentigen Eingangssteuer, Zuwendungen an ausländische Stiftungen einer Eingangssteuer von 14 bis 60 Prozent. Bei Trusts fällt Erbschaftssteuer erst bei Ausschüttung an.

STANDARD: Der Trust sitzt in Steuerparadiesen wie den Bahamas oder in der Karibik?

Sedlaczek: Ja, oder in der Schweiz oder in Liechtenstein. Ab einer Million Euro lohnt sich eine solche Konstruktion.

STANDARD: Und die Möglichkeiten für steueroptimierte Veranlagung von Vermögen unter einer Million Euro?

Sedlaczek: Unabhängig vom Veranlagungsvolumen kommen kapitalertragsteuerfreie Wohnbauanleihen, doppelbesteuerungsbegünstigte Produkte - also etwa Anleihen - und Lebensversicherungen infrage. Bei Lebensversicherungen ist auf eine mindest zehnjährige Laufzeit oder auf regelmäßige Einzahlungen zu achten, weil sonst eine höhere Versicherungssteuer anfällt und Einkommensteuerpflicht auf Versicherungsleistungen schlagend werden kann.

STANDARD: Ist die Umwandlung von Kapital- in Spekulationserträge nach wie vor steuerlich günstig?

Sedlaczek: Die grundsätzliche Endbesteuerung für in- und ausländische Kapitalerträge - also Zinsen und Dividenden - bietet an sich ein steuerlich attraktives Umfeld. Reizvoller ist aber, nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist einen Spekulationsertrag zu erzielen, der im Privatvermögen völlig einkommensteuerfrei ist. In Betracht kommen dafür etwa vor dem 1. März 2004 begebene Indexzertifikate. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 13.04.2004)

ZUR PERSON: Michael Sedlaczek ist Steuerexperte und Partner im Wiener Büro der Kanzlei Freshfields, Bruckhaus, Deringer und unterrichtet an der Wiener Wirtschaftsuni am Institut für Recht und Steuern.
  • Bei Trusts entfällt die fünfprozentige Eingangssteuer der Stiftungen
    foto: photodisc

    Bei Trusts entfällt die fünfprozentige Eingangssteuer der Stiftungen

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