Spanien: UNO soll rasch Kontrolle über den Irak übernehmen

13. April 2004, 16:25
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Parlamentspräsident Marin bekräftigt Rückzugspläne - "Die Zeit läuft ab"

Madrid - Der designierte spanische Parlamentspräsident Manuel Marin hat die Vereinten Nationen zur Übernahme der Kontrolle im Irak gedrängt. Die Zeit für die UNO laufe ab, sagte Marin am Montag dem Fernsehsender Telecinco. Die internationale Gemeinschaft werde verstehen, dass die neue spanische Regierung die Truppen aus dem Irak abziehen werde.

"Die einzige Lösung sind die Vereinten Nationen, aber ich habe das Gefühl, die Zeit läuft ab", sagte Marin weiter. Die Sozialistische Partei vertrete schon seit Monaten die Haltung, dass eine militärische Beteiligung an dem Irak-Krieg falsch sei. Darüber seien alle Partner und auch die Vereinigten Staaten informiert worden. Die Sozialisten hätten von Beginn an gewarnt, dass die Invasion Hass und dem Wunsch nach Rache einen Nährboden bereite.

Die Sozialisten hatten die Wahl am 14. März gewonnen und zugesichert, die 1.300 spanischen Truppen aus dem Irak abzuziehen, wenn die Vereinten Nationen nicht bis dahin die Kontrolle über das Land erlangten. Der unterlegene konservative Ministerpräsident Jose Maria Aznar hatte den Krieg gegen den Willen einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung unterstützt.

"Was im Irak geschehen ist, überrascht niemanden, nicht einmal die, die den Krieg organisiert haben", sagte Marin. Es sei ein Fehler gewesen, den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern mit dem Ausgang des Krieges zu verknüpfen. "Die Pläne zur Umgestaltung des Nahen Ostens waren eine Fantasie der Führer der Vereinigten Staaten, die nicht mit der Realität übereinstimmen." Seit August sind im Irak elf spanische Soldaten getötet worden. (APA)

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