Defektteufel stoppt Museeuw

16. April 2004, 11:23
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Der Außenseiter Magnus Backstedt gewinnt den Radklassiker Paris - Roubaix, Johan Museeuw wird nach Reifendefekt Fünfter

Roubaix - Geheimtipp Magnus Backstedt hat am Sonntag als erster Schwede den Rad-Klassiker Paris - Roubaix gewonnen. Der 29-Jährige aus dem Alessio-Team setze sich in der 102. Auflage des Rennens im Sprint einer vierköpfigen Spitzengruppe nach 261 Kilometern, davon 51 über das berüchtigte Kopfsteinpflaster, vor dem Niederländer Tristan Hoffmann, dem Briten Roger Hammond und dem Schweizer Fabian Cancellara durch. Johan Museeuw und Peter van Petegem (beide BEL) kamen nach Defekten in der Endphase mit knapp 15 Sekunden Rückstand die Plätze fünf und sechs. Die beiden Belgier fuhren Hand in Hand über die Ziellinie im alten Velodrome von Roubaix. Auch wegen des trockenen Wetters in Nordfrankreich entwickelte sich ein Rennen, bei dem das Feld nicht derart aufgesplittert wurde, wie man es gerade bei Paris - Roubaix oft erlebt. Obwohl im letzten Fünftel des Parcours häufig Attacken geritten wurden, blieben die Kopfgruppen relativ groß. Erst 15 Kilometer vor dem Ziel konnte sich ein Quintett entscheidend absetzten.

Der 38-Jährige Museeuw hatte in seinem vermutlich letzten großen Rennen noch einmal eine hervorragende Leistung gezeigt und sich während der entscheidenden Phasen immer in der Spitzengruppe gehalten. Ein Reifenschaden auf einer der letzten Pavees sechs Kilometer vor dem Ziel machte dann jedoch ein noch besseres Ergebnis für den Flamen unmöglich. Mit einem erneuten Sieg hätte er den Rekord von Vierfach-Gewinner Roger de Vlaeminck einstellen können. Vorjahrssieger van Petegem hatte schon zuvor Pech mit einem Patschen gehabt und den Kontakt zur Spitze verloren.

Auch Bernhard Eisel, der einzige Österreicher am Start des dritten Weltcup-Saisonrennens, blieb von Defekten - insgesamt vier - nicht verschont. Jener im Wald von Arenberg rund 90 Kilometer vor dem Ziel kam zum ungünstigsten Zeitpunkt, denn gerade dort ging die Post ab.

Rekordsieg verpasst

Museeuw war mit seinen elf Erfolgen bei Klassikern zwar eindeutig der namhafteste Fahrer in der Spitzengruppe, seine Fluchtkollegen durften jedoch keinesfalls unterschätzt werden. Besonders Basckstedt ist mit seiner Physis (1,93 m/89 kg) der perfekte Mann für Eintagesklassiker. Erst am Mittwoch war er Zweiter bei Gent-Wevelgem gewesen, 1998 hatte er eine Etappe der Tour de France gewinnen können. Das Quintett arbeitete gut zusammen, während sich dahinter van Petegem und Steffen Wesemann, der nach dem Sieg in der Flandern-Rundfahrt auf das Double aus war, etwas neutralisierten. Wesemann übernahm in Abwesenheit von Oscar Freire (ESP) immerhin das Trikot des Weltcup-Spitzenreiters.

Sieger Backstedt, unter anderem von Ex-Champion Sean Kelly als aussichtsreicher Außenseiter eingestuft, kämpfte nach der Zieldurchfahrt mit den Tränen. Der lange Schwede konnte musste den größten Erfolg seiner Karriere wohl noch verarbeiten, meinte aber in einer ersten Stellungnahme: "Als wir auf die Bahn einfuhren, war ich sicher zu gewinnen." Ein Pflasterstein war der sichtbare Preis für den Hünen aus Linköping. (red/APA)

Ergebnis 102. Paris-Roubaix (261 km): 1. Magnus Backstedt (SWE) 6:40:26 - 2. Tristan Hoffman (NED) - 3. Roger Hammond (GBR) - 4. Fabian Cancellara (SUI), alle gleiche Zeit - 5. Johan Museeuw (BEL) 0:17 - 6. Peter van Petegem (BEL), gleiche Zeit - 7. Leon van Bon (NED) 0:29 - 8. George Hincapie (USA) - 9. Tom Boonen (BEL) - 10. Frank Hoj (DEN) - 11. Romans Vainsteins (LAT) - 12. Leif Hoste (BEL) - - 13. Juan Antonio Flecha (ESP) - 14. Ludo Dierckxsens (BEL), alle gleiche Zeit - 15. Daniele Nardello (ITA) 0:36 - 16. Steffen Wesemann (GER) 0:58 ... 35. Bernhard Eisel (AUT) 13:19

Weltcupstand (nach 3 Rennen): 1. Steffen Wesemann (GER/T-Mobile) 110 - 2. Oscar Freire (ESP) 103 - 3. Magnus Backstedt (SWE) 100 - 4. Leif Hoste (BEL) 84 - 5. Tristan Hoffman (NED) 70 - 6. Erik Zabel (GER) 70.

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    Magnus Backstedt triumphiert im ehrwürdigen Veldodrome von Roubaix

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    Der Lohn: Ein Pflasterstein

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    Johan Museeuw (re) und Peter van Petegem bei der gemeinsamen Zieldurchfahrt

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