Jaras Lauterer tief in der Krise

16. April 2004, 14:27
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Nach 0:6 in Leverkusen: "Wir haben gespielt wie ein Absteiger" - Bremen hielt Vorsprung, Bayern schlugen Schalke - Oliver Kahn verletzt

Leverkusen - Nach drei verloren Spielen hintereinander und der höchsten Niederlage in der deutschen Fußball-Bundesliga seit 19 Jahren droht dem 1. FC Kaiserslautern zum zweiten Mal der Abstieg aus der ersten Liga. "Das war nicht Bundesliga reif. Wir haben gespielt wie ein Absteiger", gestand FCK-Trainer Kurt Jara nach der derben 0:6 (0:4)-Pleite bei Bayer Leverkusen.

"Wir haben richtig Angst gehabt"

Der Österreicher, der im Jänner am Betzenberg sein Amt angetreten hat, steht sechs Runden vor Saisonschluss vor einem Scherbenhaufen. "Es war klar, dass wir die schlechtere Mannschaft stellen, aber man muss doch wenigstens kämpfen", meinte er. Jaras bemitleidenswerter Torwart Tim Wiese brachte es nach dem Debakel auf den Punkt: "Das war eine Blamage. Wir haben richtig Angst gehabt."

Vereinschef Rene C. Jäggi kritisierte nach der schmerzlichen Niederlage die Einstellung seiner Profis. "Von den zwölf Spielern, deren Verträge im Sommer auslaufen, machen sich einige vielleicht mehr Gedanken über ihre eigene Zukunft, als sich auf das zu konzentrieren, wofür sie eigentlich bezahlt werden", sagte der Schweizer.

Leverkusens höchster Bundesliga-Heimsieg

Der rabenschwarze Tag der Pfälzer begann nach exakt zwei Minuten und drei Sekunden, als Wenzel ein Eigentor unterlief. Nach den Treffern von Berbatow (22.) und Lucio (34.) war die Partie bereits entschieden. Franca (38./55.) und Bastürk (48.) sorgten dann für Bayers höchsten Bundesliga-Heimsieg. "Wir können froh sein, dass wir nicht noch höher verloren haben", gab Jara zu. Er stellte seinen Kickern ein miserables Zeugnis aus: "Bei einigen Spielern reicht die Klasse einfach nicht aus."

Mit 28 Punkten ist der Vorsprung der Pfälzer auf die punktgleichen Berliner nur hauchdünn. In den kommenden Spielen gegen Hansa Rostock, Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach kann sich der FCK allerdings mit der unmittelbaren Konkurrenz messen.

Werder bleibt auf Titelkurs

Werder Bremen hat am Samstag den Sieben-Punkte-Vorsprung auf Bayern München verteidigt und ist dem Gewinn des vierten Meistertitels erneut ein Stück näher gekommen. Dank eines verwandelten Foulelfmeters von Valerien Ismael in der 80. Minute feierten die Bremer in der 28. Runde einen 1:0-Erfolg beim Abstiegskandidaten Eintracht Frankfurt. Werder führt die Tabelle nun mit 66 Zählern vor den Bayern (59) an. Der Titelverteidiger besiegte Schalke dank eines Doppelpacks von Roy Makaay mit 2:1.

Schwerarbeit für Bremen in Frankfurt

Der Tabellenführer aus Bremen tat sich in Frankfurt (Stefan Lexa wurde in der 80. Minute eingewechselt) schwerer als erwartet, blieb aber auch im 19. Spiel hintereinander ungeschlagen. Einziger Höhepunkt der ersten Hälfte war der doppelte Platzverweis: Frankfurts Ioannis Amanatidis und Werders Ümit Davala gerieten aneinander und mussten nach Tätlichkeiten vom Platz (42.). In Halbzeit zwei wechselte Trainer Thomas Schaaf sogar die Asse Ailton, Johan Micoud und Ivan Klasnic aus, doch erst Ismaels sicher vollstreckter Strafstoß brachte das erlösende Siegtor für die Gäste.

Doppelpack von Makaay

Für Verfolger Bayern begann die erhoffte Aufholjagd im Schalke-Spiel mit einer kalten Dusche. Nach einem Foul von Kuffour an Kobiaschwili verwandelte Sven Vermant den fälligen Strafstoß (4.). Zum Glück für die Münchner sorgte Makaay (8.) schnell für den raschen Ausgleich. Mit seinem 22. Saisontreffer und dem fünften "Doppelpack" führte der Niederländer (64.) die Entscheidung herbei. Edi Glieder wurde bei Schalke in der 78. Minute eingetauscht.

Kahn leicht verletzt

Oliver Kahn hat sich gegen Schalke 04 leicht verletzt, wird aber am Samstag gegen Borussia Dortmund wieder im Tor des FC Bayern München stehen. "Es ist nur eine Schienbeinprellung", berichtete der Nationaltorhüter nach dem 2:1-Heimsieg. "Ganz klar, in Dortmund spiele ich", erklärte Kahn. Der Bayern-Kapitän hatte sich in der 55. Minute bei einer Abwehraktion unterhalb des linken Knies verletzt. Kahn spielte nach einer Behandlungspause zunächst noch einige Minuten weiter, ehe er sich in der 61. Minute doch auswechseln ließ.

Bochum gegen 1860 ungefährdet

Der VfL Bochum wahrte seine Chance auf die UEFA-Cup-Qualifikation durch einen ungefährdeten 4:0-Heimsieg über 1860 München. Hashemian (26./40.) avancierte mit seinen Saisontoren 13 und 14 zum Matchwinner. Madsen (61.) mit einem Treffer Marke "Tor des Monats" und Diabang (81.) machten alles klar. Für die "Löwen" (Martin Stranzl spielte durch) wird es nach dem erneuten Rückschlag im Überlebenskampf noch mal eng.

Spannung im Abstiegskampf

In der Abstiegszone verschaffte sich Hertha BSC durch das wichtige 1:0 über den erstmals von Erik Gerets betreuten VfL Wolfsburg etwas Luft. Die "Wölfe" müssen nach der erneuten Niederlage, für die Rafael (22.) sorgte, ebenfalls kräftig um den Klassenverbleib bangen. Zumal Mitkonkurrent Borussia Mönchengladbach beim 2:1 bei Hansa Rostock (Gernot Plassnegger kam in der 84. Minute ins Spiel) unerwartet gewann. Die Hansa-Führung durch Rydlewicz (27.) beantwortete Ulich (29.) postwendend mit dem Ausgleich, ehe van Hout (83.) den Auswärtserfolg sicherte. (APA/dpa)

Deutschland - 28. Runde:

Samstag:

  • VfL Bochum - TSV 1860 München 4:0 (2:0)
  • Bayern München - FC Schalke 04 2:1 (1:1)
  • Hamburger SV - Borussia Dortmund 0:2 (0:2)
  • Hertha BSC - VfL Wolfsburg 1:0 (1:0)
  • Hansa Rostock - Mönchengladbach 1:2 (1:1)
  • Leverkusen - Kaiserslautern 6:0 (4:0)
  • Frankfurt - Werder Bremen 0:1 (0:0)

    Sonntag:

  • SC Freiburg - VfB Stuttgart 0:1 (0:1)
  • Hannover 96 - 1. FC Köln 1:0 (1:0)
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      Kurt Jara wendet sich entsetzt ab.

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      Lautern-Keeper Tim Wiese verlässt das Feld nach einer bitteren Lehrstunde in Leverkusen.

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      Valerien Ismael ließ die Werder-Fans erleichtert aufatmen. Der Bremer fixierte per Foulelfmeter den 1:0-Sieg des Spitzenreiters.

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