Blair drängt Bush auf verstärktes Vorgehen der UNO

12. April 2004, 22:17
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Diplomaten kritisieren US-Vorgehen gegen Rebellen

London - Der britische Premierminister Tony Blair will nach Zeitungsberichten bei US-Präsident George W. Bush auf eine stärkere Rolle der Vereinten Nationen im Irak drängen. Die UNO soll demnach die für den 30. Juni angestrebte Machtübergabe und die nachfolgenden Wahlen stärker als bisher geplant überwachen.

Wie die Zeitungen "The Sunday Times" und "The Observer" berichteten, will Blair den Präsidenten bei einem für Freitag geplanten Treffen in Washington außerdem zu einer diplomatischen Offensive in Europa überreden. Dazu sollten US-Außenminister Colin Powell oder Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice die wichtigsten Hauptstädte bereisen. Nach außen hin wolle Blair mit Bush aber weiter eine geschlossene Front bilden.

Mehrere Zeitungen berichteten am Sonntag über Kritik britischer Diplomaten und Militärs am harten Vorgehen der USA gegen irakische Aufständische. "Sie (die Amerikaner) betrachten die als Untermenschen", sagte ein hoher Offizier dem "Sunday Telegraph". Er verwendete dabei das von den Nazis geprägte deutsche Wort. "Meine Meinung und die der britischen Befehlskette ist, dass die amerikanische Gewaltanwendung in keinem Verhältnis zu der Bedrohung steht, der sie sich gegenübersehen", wurde der Offizier zitiert. "Die US-Soldaten sehen die Dinge sehr vereinfacht. Wenn es nach ihnen geht, ist der Irak ein Banditenland und jeder ist darauf aus, sie umzubringen." (APA/dpa)

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