Mehrheit der US-Bürger: Bush hat Anschlagsgefahr unterschätzt

13. April 2004, 17:54
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Bei Präsidentschaftswahlen wären 43 Prozent für Bush und 50 Prozent für Kerry

Washington - Sechs von zehn US-Bürgern sind einer Umfrage zufolge davon überzeugt, dass US-Präsident George W. Bush die Gefahr von Anschlägen in den USA vor dem 11. September 2001 unterschätzt hat. Fast zwei Drittel der Befragten befürchten zudem, dass der Irak für die US-Truppen zu einem neuen Vietnam wird. 51 Prozent missbilligten darüber hinaus Bushs Umgang mit dem Krieg im Irak, berichtete das US-Magazin "Newsweek" weiter, das die Umfrage am Samstag veröffentlichte.

Sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl steht Bush wegen beider Themen erheblich unter Druck. In einer direkten Gegenüberstellung mit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry votierten lediglich 43 Prozent der Befragten für Bush als nächstem Präsidenten - die niedrigste Quote, seit "Newsweek" diese Frage stellt. 50 Prozent waren für Kerry.

Die Niederlage gegen militärisch weit unterlegene Guerilla-Kämpfer im Vietnam gilt bis heute als schweres Trauma der USA. Im Irak hält seit bald einer Woche ein Aufstand schiitischer und sunnitischer Rebellen an, bei dem bisher Hunderte von Irakern und 52 Soldaten der von den USA geführten Besatzungstruppen getötet wurden. Kritiker werfen Bush zudem vor, im Vorfeld der Anschläge in New York und Washington zu sehr auf den Irak fixiert gewesen zu sein und die Gefahr durch Moslem-Extremisten nicht ernst genug genommen zu haben.

In einem Papier, das Bush einen Monat vor den Anschlägen im September 2001 vorgelegt wurde, soll konkret vor der Gefahr gewarnt worden sein, dass Anhänger des Moslem-Extremisten Osama bin Laden in die USA reisen wollten, um mit Sprengsätzen ein Attentat zu verüben. So hieß es am Freitag in Kreisen, die das Dokument kennen. Die Untersuchungskommission zu den Anschlägen fordert eine Veröffentlichung des bisher geheimen Papiers, das am Donnerstag während der Befragung von Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zur Sprache kam.

Rice hatte gesagt, in dem Papier seien nur unspezifische Informationen aus dem Jahr 1998 zusammengestellt gewesen. In den Kreisen hieß es dagegen, die Warnung basiere auf Hinweisen vom Mai 2001, denen zufolge Bin-Laden-Anhänger von Kanada aus versuchten, in die USA einzureisen. Die USA machen Bin Laden und seine Organisation El Kaida für die Anschläge verantwortlich. (APA/Reuters)

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