Tausende Araber protestieren gegen Vorgehen der USA im Irak

12. April 2004, 09:49
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Japanische Kriegsgegner und Eltern bulgarischer Soldaten fordern Abzug der Truppen

Kairo/Tokio/Sofia - Das Vorgehen der US-Truppen im Irak hat in der arabischen Welt Proteste ausgelöst. Mehrere tausend Menschen demonstrierten am Freitag in Ägypten, Libanon und Syrien gegen die USA und verglichen den Aufstand im Irak mit dem der Palästinenser gegen Israel. In Japan wuchs indes der Druck auf Ministerpräsident Junichiro Koizumi, drei japanische Geiseln durch einen Truppenabzug aus dem Irak freizubekommen. Auch die Eltern der im Irak stationierten bulgarischen Soldaten forderten am Samstag einen Truppenabzug.

In Tokio demonstrierten am Samstag rund 1.000 Kriegsgegner den zweiten Tag in Folge für einen Abzug der japanischen Truppen aus dem Land. Drei japanische Zivilisten sollen sich in der Gewalt der irakischen Geiselnehmer befinden. Die Familien der Angehörigen forderten Ministerpräsident Junichiro Koizumi auf, der Forderung der Geiselnehmer nach einem Truppenabzug nachzukommen.

Koizumi habe ein persönliches Gespräch mit den Familien mehrfach abgelehnt, hieß es. "Es ist, als ob er (Koizumi) sagt 'gebt auf'", sagte die Schwester einer der Geiseln. In einer Umfrage der Zeitung "Kyodo News" sprachen sich rund 45 Prozent der 971 Befragten für einen Truppenabzug aus, gut 43 Prozent unterstützten dagegen Koizumis Position, den Entführern nicht nachzugeben. Die Kidnapper hatten am Donnerstag in einer Video-Botschaft erklärt, die drei Geiseln würden bei lebendigem Leib verbrannt, wenn Japan seine Soldaten nicht bis Sonntag abziehe.

Auch die Eltern der im Irak stationierten bulgarischen Soldaten haben am Samstag die unverzügliche Rückkehr der Truppen gefordert. Das meldete der Staatsrundfunk in Sofia. Bulgariens Kontingent sei "zu einer Friedensmission und nicht zu einem Bürgerkrieg geschickt" worden, begründete das Elternkomitee die Forderung. Bulgarien, das den USA im Irak-Krieg einen Luftwaffenstützpunkt am Schwarzen Meer zur Verfügung gestellt hatte, hat im August 2003 rund 450 Soldaten in den Irak entsandt.

Die libysche Regierung erklärte den Samstag zu einem Tag der Trauer um "die Märtyrer, die in Falluja gefallen sind". Amerikanische Muslime verurteilten am Freitag den US-Luftangriff auf eine irakische Moschee und riefen US-Präsident George W. Bush zum Abzug der Truppen aus dem Irak auf.

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo versammelten sich nach den Freitagsgebeten rund 500 Männer vor der Moschee Al Asar und beschimpften US-Präsident Bush als "Feind Gottes". Sie forderten die ägyptische Regierung auf, die Botschafter der USA und Israels auszuweisen.

In einem palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon beschuldigten rund 2.000 Demonstranten die US-Truppen eines Massakers im Irak. Der dortige Konflikt sei mit dem zwischen Palästinensern und Israelis identisch. Der oberste schiitische Geistliche Libanons, Großayatollah Scheich Mohammed Hussein Fadlallah, setzte die beiden Konflikte ebenfalls gleich. Die israelischen Militäraktionen in den palästinensischen Autonomiegebieten "wiederholen sich in Form der brutalen amerikanischen Massaker gegen die irakische Bevölkerung", sagte der Großayatollah in einer Predigt.

An einem Protestmarsch durch die syrische Hauptstadt Damaskus beteiligten sich rund 500 Menschen. Sie schwenkten irakische und syrische Fahnen. "Heute ist es der Irak... wer morgen?", war auf einem Plakat zu lesen.

200 amerikanische Muslime unterzeichneten nach den Freitagsgebeten in einer New Yorker Moschee eine Petition an Präsident Bush, in der es heißt: "Wir dürfen keine Moscheen bombardieren." Die Unterzeichner riefen Bush weiter auf, "unsere Burschen und Mädchen nach Hause zurückzubringen", also die US-Truppen aus dem Irak abzuziehen. Kopien der Erklärung sollen an 150 Moscheen verschickt werden, um weitere Unterschriften zu sammeln. (APA)

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    Ein Palästinenser mit einem Porträt von Osama bin Laden bei einer Demonstration gegen die US-Koalitionstruppen im Irak in Hebron.

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