Spanien verdächtigt nach Anschlägen mutmaßlichen El Kaida-Militärchef

12. April 2004, 15:36
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Marokkaner soll Schlüsselrolle bei Blutbad in Madrid gespielt haben - Noch immer 46 Verletzte im Krankenhaus - Zwei in kritischem Zustand

Madrid - Nach den Anschlägen des 11. März mit 191 Toten in Madrid hat die spanische Polizei die Fahndung nach einem flüchtigen Marokkaner ausgeweitet, der als Militärchef El Kaidas in Europa gilt. Der 36-jährige Amer Azizi habe bei dem Blutbad vermutlich eine Schlüsselrolle gespielt, berichtete die Zeitung "La Vanguardia" am Samstag. Er sei der Mittelsmann zwischen El Kaida und der Madrider Terrorzelle gewesen.

Der lange Zeit in Spanien lebende Azizi alias "Othman el Andalusi" ist seit Dezember 2001 untergetaucht. Nach der Zerschlagung einer in Spanien operierenden El Kaida-Zelle war ihm damals die Flucht gelungen. Diese Zelle hatte die Anschläge des 11. September 2001 in den USA mit vorbereitet. Der mit einer Spanierin verheiratete Marokkaner werde von den Sicherheitskräften verschiedener Länder mit radikalislamischen Gruppierungen in Deutschland, Frankreich, Spanien, im Iran, in Indonesien, Marokko und Afghanistan in Verbindung gebracht, hieß es.

Die Zeitung "El Mundo" hatte am Freitag berichtet, Azizi oder einer seiner Gefolgsleute habe sich vor dem Blutbad von Madrid in der Türkei mit dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge, dem Tunesier Serkane Ben Abdelmajid, getroffen. Dieser habe "Gotteskämpfer" für die Attentate in Madrid rekrutieren wollen. Der Tunesier war einer der sieben mutmaßlichen Attentäter, die sich vor einer Woche in einer Wohnung im Madrider Vorort Leganes in die Luft gesprengt hatten.

Ein Monat nach den Terroranschlägen von Madrid wurden am Samstag noch immer 46 Menschen in Krankenhäusern behandelt. Zwei der Verletzten befanden sich nach offiziellen Angaben in kritischem Zustand.

Die Bombenserie am 11. März hatte 191 Menschenleben gefordert. Aus Furcht vor neuen Anschlägen erhöhte Spanien vor den Osterfeiertagen die Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen und Bahnhöfen.(APA)

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