Kommentar der anderen: Wo der Hase im Pfeffer liegt

9. April 2004, 20:55
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Frauen und Politik: Aide-mémoire an "Benitas" Sekundantinnen - von Andrea Kuntzl

Als ob die vielen eigenen Fettnäpfchen der Kandidatin nicht genügen würden! Jetzt verirren sich auch noch ihre publizistischen Sekundantinnen in Gestrüppen von Halbwahrheiten und Verdrehungen. Ihren Krieg der Worte möge die VP-Abgeordnete Baumgartner-Gabitzer mit Ulrike Lunacek von den Grünen allein fechten (STANDARD, 5. und 9. 4.). Notwendig wird Widerspruch von SPÖ-Seite dort, wo sie ganz en passant Heinz Fischer anpatzt. So erfahren wir über die Parlamentsdirektion: "Es gibt dort nur männliche Abteilungsleiter." Falsch! Es gibt im Parlament zehn weibliche Abteilungsleiterinnen. Zehn, zehn, und noch einmal: zehn! Übrigens alle ernannt in der Amtszeit von Heinz Fischer.

Ein einfacher Blick in den Amtskalender hätte genügt, dies festzustellen. Es werden doch für Baumgartner-Gabitzer doch nicht die gleichen armseligen Ghostwriter im Einsatz sein, die schon die Kandidatin selbst mehr als einmal in intellektuelle Gefahr gebracht haben?

Jetzt zur Austrian Development Agency, für deren Geschäftsführung sich - leider, leider - nur Männer gemeldet hätten, weshalb der Frau Außenministerin . . . Frage: Kann es sein, dass geeignete Frauen sich erst gar nicht die Mühe einer absehbar erfolglosen Bewerbung gemacht haben?

Aber selbst wenn man das nicht annimmt: Den sechsköpfigen ADA-Aufsichtsrat bestimmte die Kandidatin allein. Und darin finden sich wie viele Frauen, Frau Baumgartner-Gabitzer? Brauchen Sie einen Publikums-Joker, oder ahnen Sie die Antwort bereits? Das zeitungslesende Publikum jedenfalls braucht keinen. Die richtige Antwort ist: null.

Und was wird uns die Kandidatin dazu sagen? Keine in Entwicklungsfragen qualifizierte Frau im Land gefunden? Sechs Frauen angerufen, aber alle haben abgelehnt? Oder einfach: "Auf den CV kann ich mich immer verlassen!" - ein wörtliches Zitat, falls Sie es vergessen haben.

Frau Baumgartner-Gabitzer hat 1983 ihren Doktor der Rechtswissenschaften gemacht. Ob ihr damals entgangen ist, dass Heinz Fischer als Wissenschaftsminister gerade Österreichs ersten Lehrstuhl für Frauenforschung einrichten ließ? Kann oder will sie sich nicht daran erinnern, dass damals erstmals eine Frau zur Generaldirektorin der Nationalbibliothek bestellt wurde? Und überhaupt: Kann es sein, dass ausgerechnet eine Vertreterin jener Partei, der über Jahrzehnte jede soziale Verbesserung für Frauen abgetrotzt werden musste, am frauenpolitischen "record" eines Mannes kratzt, der zeit seines politischen Wirkens Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt hat?

Was die ÖVP immer hatte, waren einige wenige Vorzeigefrauen (offenbar das Gegenteil der Zugehfrau). Diese bewältigten, ungehindert von der Erziehung von Kindern, andernfalls mit tatkräftiger Hilfe dienstbarer Geister, ihr Berufsleben tatsächlich in eindrucksvoller Weise. Fürs berufliche Schicksal der Zugehfrauen war stets die SPÖ zuständig.

Abschließend: Wenn Frau Baumgartner-Gabitzer sich fragt, warum Frauen in Wahlkämpfen anders gesehen werden als Männer, dann gibt es darauf eine einfache Antwort: Wenn Frau das Stilmittel "Ich bin eine gestylte Frau" selbst gezielt einsetzt, fordert sie damit zur Betrachtung auf dieser Ebene geradezu heraus. Wer beim Wahlkampfstart noch schnell und vor dem Krone-Fotografen kirchlich heiratet; wer sich vom Tiergartendirektor in nagelneuen Pumps schaukeln lässt; wer vor eben demselben als Löwin unter Löwen posiert - darf sich nicht wundern, wenn "Frisur und Lächeln zum Wahlkampfthema stilisiert" werden. (DER STANDARD, Printausgabe 10./11.04.2004)

Von Andrea Kuntzl
Frauensprecherin der SPÖ
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