Rad: Abschied in der "Hölle"

11. April 2004, 18:26
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Johan Museeuw fährt bei Paris-Roubaix am Sonntag sein letztes großes Radrennen, drei Mal konnte er den Klassiker gewinnen

Paris - In der "Hölle des Nordens", seinem bevorzugten Revier, verabschiedet sich Johan Museeuw am Sonntag von der großen Radsportbühne. Mit einem vierten Sieg bei Paris - Roubaix (260 km) könnte der 38-jährige Belgier zum Rekord-Gewinner Roger de Vlaeminck (BEL) aufrücken, doch in seinem Team Quick.Step ist die Wachablöse schon eingeleitet. Weitere Kandidaten für den neunten Erfolg von Patrick Lefevere als Sportlicher Leiter sind Jungstar Tom Boonen (BEL), Servais Knaven (NED/Sieger 2001) und Stefano Zanini (ITA). Der Deutsche Steffen Wesemann (T-Mobile) möchte als erst neunter Fahrer das Double Flandern/Roubaix, das im Vorjahr Peter van Petegem (BEL) geschafft hat.

Museeuw hatte vor acht Jahren den ersten Erfolg in der "Hölle" gefeiert, zwei Jahre später brach sich der "Löwe von Flandern" auf einem der 26 berüchtigten Kopfsteinpflaster-Abschnitte im Wald von Arenberg die Kniescheibe, eine Amputation drohte. Doch der Weltmeister von 1996 kam zurück, fuhr 2000 zum Solosieg und schaffte bei der 100. Auflage vor zwei Jahren den "Hattrick". Mit zwei Gesamt- und elf Rennsiegen im Weltcup (Rekord) ist Museeuw in seiner flämischen Heimat zum Volkshelden avanciert, Doping-Anschuldigungen vermochten das Bild nicht zu trüben.

Eisel erwartet Schwierigkeiten

Einziger Österreicher auf der dritten Station des Weltcups ist Bernhard Eisel, der bei der Premiere im Vorjahr als 22. Stärke bewiesen hatte. Für Eisel sind die Vorzeichen am Ostersonntag jedoch alles andere als günstig. Am Donnerstag war der FdJeux.com-Profi im GP Cerami erneut in einen Sturz verwickelt, das Handgelenk ist geprellt, die Handflächen sind aufgeschürft. "Aber am Sonntag werde ich das nicht mehr spüren, weil andere Stellen noch mehr schmerzen", sagte der Jung-Profi zu den bevorstehenden Qualen.

Cofidis immer stärker unter Druck

Die Doping-Krise um das französische Cofidis-Team hat sich derweil dramatisch ausgeweitet. L'Equipe zitierte aus einem 3000 Seiten-Dossier des Untersuchungsrichters, in dem der Cofidis-Arzt Jean-Jacques Menuet, der Mediziner des französischen Verbandes, Armand Mégret, und weitere Personen belastet werden. Auch der Schotte David Millar, Weltmeister im Zeitfahren, wird jetzt des Dopings verdächtigt. Die Teamleitung gab darauf hin den Verzicht auf eine Teilnahme bei Paris-Roubaix bekannt. Man werde sich auf unbestimmte Zeit von Rennen zurückziehen: "Wir brauchen Zeit, um die Dinge klarer zu sehen", hieß es in einer Aussendung wörtlich.

Abschied von Briek Schotte

Im belgischen Kortrijk wurde am Freitag unter großer Anteilnahme Briek Schotte zu Grabe getragen. Der zweifache Ex-Weltmeister (1948 und 1950), einer der letzten flämischen Coureurs der alten Schule, war am vergangenen Sonntag im Alter von 84 Jahren verstorben - ausgerechnet am Tag der Flandernrundfahrt, seinem Lieblingsrennen, das Schotte zweimal - 1942 und 1948 - gewinnen konnte. Ehemalige Größen wie Roger De Vlaeminck, Rik Van Looy, Eddy Merckx, Sean Kelly, Freddy Maertens und Frank Vandenbroucke erwiesen Schotte als Sargträger die letzte Ehre. (APA/SIZ/rob)

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    An der "Mauer von Geraardsbergen": Johan Museeuw gewinnt die Flandernrundfahrt 1998.

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    Auf dem Weg zum dritten Erfolg bei Paris - Roubaix

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