Schweizer Goldhase duldet keine Kopien

12. April 2004, 00:02
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Firma Lindt im Hasenkrieg: Ernst Tanner, Herr über das Schokoladereich Lindt & Sprüngli - Kopf des Tages

Schokolade mache "nicht fett, sondern glücklich". Allerdings nur, wenn es Lindt ist. Behauptet zumindest Ernst Tanner, Chef von Lindt & Sprüngli. "Andere Schokoladen stopft man in sich hinein - bei Lindt lehnt man sich zurück und genießt, Stück für Stück." Aus solchen Sprüchen spricht nicht nur der Marketingprofi, sie fließen Tanner wie selbstverständlich aus dem Mund. Man fühlt sich an den mit Uhren behängten Swatch-Gründer Nicolas Hayek erinnert, der eins mit seinem Produkt zu sein scheint.

Markt- der sich kaum nach vorn bewegt

Ernst Tanner ist eine ähnliche Lichtfigur der Schweizer Unternehmerzunft. In elf Jahren an der Spitze von Lindt hat der 58-Jährige viel erreicht. Mit 800 Millionen Franken Umsatz begann er; im Jahr 2003 waren es 1,8 Milliarden bei einem Gewinn von 122 Millionen Franken (79 Mio. €) - und das in einem Markt, der sich kaum nach vorn bewegt. Es wird wohl noch weiter nach oben gehen, sagt der "Schoggi"-Chef, nachdem er einen Blick aus dem Fenster der Firmenzentrale in Kilchberg am Zürichsee geworfen hat: "Kühl und nass, richtiges Osterschokolade-Wetter."

Expansion gelernt bei US-Konzern

Als Tanner 1993 die Nachfolge von Rudolph R. Sprüngli antrat, dem letzten Firmenchef aus der Gründerfamilie, hatte er eine Karriere beim US-Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson hinter sich. Mit Übernahmen schuf er die Grundlage für die Expansion: 1994 Hofbauer aus Österreich; 1997 die italienische Caffarel; ein Jahr später Ghirardelli in den USA, dem größten Schokolademarkt. Neben der Internationalität ist die Qualität ein wichtiger Erfolgsgrund. Lindt hat es geschafft, größer und bekannter zu werden, ohne bei der Herstellung Kompromisse einzugehen. Das stete Wachstum über dem Branchenschnitt zieht der Konzern aus einer immer schnelleren Folge neuer Produkte, die auf Jahreszeiten oder Geschenkgelegenheiten zugeschnitten sind. Je nach Ländergeschmack werden sie variiert.

Nachahmer und Kopien

Ostern ist ein Höhepunkt der süßen Saison, die Lindt mit Schokoeiern oder Hasen so erfolgreich wie kein anderer auskostet. Der goldene Nager mit der Schleife und dem Glöckchen ist so oft nachgeahmt worden, dass Lindt ihn schützen ließ. In Großbritannien, erzählt Tanner, musste jetzt die Kopie eines deutschen Herstellers aus den Läden genommen werden.

Hase von 1962 gegen Hase von 1950

Auch der "Sitzhase" der vergleichsweise kleinen burgenländischen Firma Hauswirth wird gerichtlich bekämpft - in der ersten Instanz erfolgreich; Hauswirth will sich aber bis zur letzten Instanz wehren. Argumentiert wird, dass die Formen der burgenländischen Figur, die dem Lindt-Hasen ähnlich sieht, erstmals 1962 verwendet wurden. Der Lindt-Hase wird seit 1950 angeboten. Bei Lindt heißt es zu dem erst jetzt ausgebrochenen "Krieg der Hasen": "Wir müssen eben unsere Markenrechte verteidigen." (Thomas Kirchner, DER STANDARD Printausgabe 10.4.2004)

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    Der Osterhase aus dem Burgenland aus dem Familienbetrieb der Firma Hauswirth hat große Knopfaugen, eine rote Masche, eine aufrechte Haltung, und weiße Pfoten

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    Die "Schoggihasen" aus der Schweiz der Firma Lindt haben tiefschwarze Augen ohne Pupillen, eine nach vorne geneigte Haltung und eine Glocke um den Hals

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