Personenkult schlägt Inhaltliches

16. April 2004, 16:49
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Hofburg-Wahl im historischen Vergleich

Stark auf die Persönlichkeit des Kandidaten konzentriert, kaum inhaltlich - so sahen Präsidentschaftswahlkämpfe immer schon aus. Zeithistoriker Oliver Rathkolb: "Es gibt in diesem Punkt eine Kontinuität seit den Fünfzigerjahren. Es ging in allen Wahlkämpfen immer um die Person und weniger um Inhalte."

Einzige Ausnahme: der erste Wahlkampf Thomas Klestils. "Klestil versuchte mit seinem Wahlkampf offenbar seine Erfahrungen aus den USA umzusetzen und wollte die Grenzen des Amtes ausloten. Seine Slogans wie ,Macht braucht Kontrolle' haben mit der bisherigen Wahlkampf-tradition gebrochen."

Klestils inhaltliche und stark innenpolitisch argumentierte Offensive ließ ihn zwar die Wahl gewinnen, erwies sich spätestens nach der Wende im Jahr 2000 aber als erfolglos. "Wir können beobachten, dass beide Kandidaten im aktuellen Wahlkampf gewissermaßen an die Zeit vor Klestil anknüpfen", analysiert Rathkolb. "Es gibt kaum innenpolitische Botschaften, die Kampagne konzentriert sich ganz stark auf die Persönlichkeit der Kandidaten."

Ebenfalls gang und gäbe ist das, was politische Strategen "Dirty Campaigning" nennen: Schmutzkübelkampagnen. Rathkolb: "Ich erinnere nur an an den SPÖ-Präsidenten Franz Jonas. Im Wahlkampf gab es jede Menge Anti-Jonas-Witze, die verdeckte Ressentiments gegen tschechische Zuwanderer bedienten."

Seinen unrühmlichen Höhepunkt fand Dirty Campaigning in der Kurt-Waldheim-Kampagne aus dem Jahr 1986. Nachdem Waldheims Nazi-Vergangenheit bekannt wurde, konterte die ÖVP mit dem Plakat "Wir wählen, wen wir wollen" und nannte Waldheim doppeldeutig einen "echten Österreicher". (to/DER STANDARD, Printausgabe, 10./11./12.4.2004)

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