Die lange Opferliste der Estag-Affäre

21. April 2004, 14:17
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Vier Aufsichtsräte, drei Vorstände und ein Landesrat mussten gehen

Graz - Ob sich die Affäre rund um die "Energie Steiermark AG" tatsächlich zum "größten Skandal seit 1945", wie von der SPÖ apostrophiert, auswächst, werden die Ergebnisse des laufenden Untersuchungsausschusses des steirischen Landtages zeigen.

Der Wechsel im Wirtschaftsressort der steirischen Landesregierung von Herbert Paierl zu Gerald Schöpfer stellt jedenfalls ein weiteres Kapitel in der "Opferbilanz" dieser Affäre dar. Vier Estag-Aufsichtsräte, der gesamte Dreier-Vorstand der Estag und nun auch Landesrat Herbert Paierl mussten im Sog des Skandals gehen oder schieden mehr oder weniger freiwillig aus. Dies obwohl nach wie vor letzte Beweise für etwaige grobe Verfehlungen des alten Managements oder gar Korruption - wie vom Grünen Budgetsprecher Werner Kogler zuletzt behauptet - fehlen.

Die Affäre nahm am 9. April 2003 ihren Lauf, als der damalige ÖVP-Landesrat Gerhard Hirschmann in die Vorstandsetage der Estag wechselte. Vorerst war alles eitel Wonne. Nach einigen Wochen überzog Hirschmann sein Unternehmen samt Vorstandskollegen mit schwerer Kritik: teure Konzernzentrale, zu hohe Gehälter, falsche Beteiligungen. Prüfungen ergaben schwere Mängel im Controlling und der Firmenstrategie sowie Managementfehler. Der völlig zerstrittene Dreier-Vorstand wurde schließlich wegen "Handlungsunfähigkeit" entlassen. Hirschmann belastete die VP-Spitze und klagte die Estag. (mue, Der Standard, Printausgabe, 10.04.2004)

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