Viel Fläche mit wenig Inhalt

16. April 2004, 15:13
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Exakt zehntausend Plakate werden im Wahlkampf zwischen Ferrero-Waldner und Fischer verklebt - Inhalte finden sich kaum, meinen Experten

Die ÖVP-Kandidatin hat am Freitag nachgelegt. Im knallroten Kostüm lächelt Benita Ferrero-Waldner vor dem "Benita"-Schriftzug von den Plakatwänden. Und auch SP-Kandidat Heinz Fischer startet zu Ostern eine neue Plakatserie. Er bleibt dabei allerdings seinem grauen Anzug treu.

Jedem Team werden 5000 Großplakate zugestanden. Die Dreieckständer, die von den Ortsgruppen der beiden Parteien aufgestellt werden, sind mit jeweils 50.000 Stück begrenzt. Insgesamt fließt also ein großer Teil des Wahlkampfbudgets von jeweils vier Millionen Euro in die Plakate. Die Parteien machen nur vage Angaben, es dürfte sich aber um knapp eine Million pro Partei handeln.

Von Werbeexperten wird die Wirkung der Plakate auf potenzielle Wähler allerdings als gering eingeschätzt. "Es ist kein Wunder, dass Fischer und Ferrero beim Wahltagebuch des STANDARD in trauter Eintracht abgebildet sind", fasst Mariusz Jan Demner, Kreativchef der Werbeagentur Demner, Merlicek & Bergmann, seinen Eindruck zusammen. Ihm fehlt die nötige Differenzierung in den Kampagnen, ein Paarlauf der Kandidaten führe nicht zur gewünschten Unterscheidbarkeit durch den Betrachter.

Hintergrund aufgehellt

Auch optisch würden die Werbesujets einander immer ähnlicher. "Das erste Fischer-Plakat war etwas dunkel, Ferrero wirkte im Vergleich heller und damit moderner." Ein Versehen, welches Fischers Wahlkampfstrategen bei den neu affichierten Plakaten mit einer Aufhellung des Hintergrundes ausgemerzt haben.

Sie wüssten aber nicht, was sie mit Fischers Händen tun sollen, attestiert Demner: "Die Gestik ist nicht organisch, nicht natürlich." Und: Die Plakate beider Kandidaten sind mit Worten überfrachtet. Demner: "Das ist der Stil der 60er-Jahre, heute machen die Medien und insbesondere das Fernsehen ,Politainment', dem muss man folgen." Die neuen Plakate Ferrero-Waldners hält Demner jedenfalls für aufgeräumter.

Das Neue an den jüngsten Plakatserien der beiden Kontrahenten ist das Kreuzerl - eine direkte Aufforderung zur Wahl. Das ÖVP-Team hat die drei verschiedenen Slogans "Die Erste, die . . ." dahin gehend aufgelöst, dass als Botschaft nur mehr "Die Erste" übrig bleibt. Heinz Fischer bleibt bei seinen Botschaften, statt "Politik braucht . . ." heißt es jetzt allerdings "Unser land braucht . . ."

Michael Nitsche, Geschäftsführer von Saatchi & Saatchi, stellt den Plakatsujets im Präsidentschaftswahlkampf kein gutes Zeugnis aus: "Kreative Highlights sind beide nicht." Allerdings bringe das politische Werbung meist mit sich. Gerade aber Ferrero-Waldner und Fischer seien zwei Personen, die man nicht erst vorstellen müsse. Es stelle sich daher die Frage, "ob es nötig war, so stark die Porträts der Kandidaten zu betonen", sagt Nitsche.

Jugendlicher Pepp

Im Detail fährt Fischer für ihn die "aufgeräumtere Linie". Er stehe für Seriosität und staatstragendes Verhalten, was sich auch bei der am Plakat befindlichen Webadresse zeige. Mit www.heinzfischer.at werde diese Tonalität weiter verfolgt, wohingegen Ferrero-Waldner mit www.benita.at auf "jovial und freundschaftlich" mache. "Sie versucht, jugendlichen Pepp reinzubringen, der nicht ganz glaubwürdig ist", bemängelt Nitsche. Inhaltlich würde Fischer mit seinem Slogan der moralischen Instanz des Amtes gerecht. Der Ferrero-Spruch "Die Erste, die mit 101 Staatschefs in deren Sprache spricht" könnte für den Betrachter unglaubwürdig wirken, vermutet Nitsche. (kmo/DER STANDARD, Printausgabe, 10./11./12.4.2004)

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    Heinz Fischer und Ferrero-Waldner bevölkern Haltestellen.

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    Auf den Plakaten trägt sie knallrot,...

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    ... der SPÖ-Kandidat bleibt dem grauen Anzug treu.

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