Papst forderte bei Ostermesse Engagement gegen den Terrorismus

13. April 2004, 12:44
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Erteilung des Segens "Urbi et Orbi" in 62 Sprachen - Sicherheitskontrollen auf dem Petersplatz wie nie zuvor

Rom - Papst Johannes Paul II. hat am Sonntag "der Stadt und dem Erdkreis" (urbi et orbi) den Ostersegen erteilt. In der Messe auf dem Petersplatz, wo besondere Sicherheitsmaßnahmen herrschten, beklagte das Oberhaupt der katholischen Kirche die Konflikte in Afrika, dem Irak und dem Heiligen Land. Ungewöhnlich deutlich sprach der Papst auch das Thema Terrorismus an.

Wörtlich betete der Papst laut Kathpress darum, dass die Menschheit die Kraft finde, "dem unmenschlichen und leider um sich greifenden Phänomen des Terrorismus entgegenzutreten, der das Leben leugnet und den Alltag vieler fleißiger und friedlicher Menschen beeinträchtigt und unsicher macht. Deine Weisheit erleuchte die Menschen guten Willens im gebotenen Einsatz gegen diese Geißel."

Deutliche Stimme

Der 83-jährige, an Parkinson leidende Papst sprach trotz der Anstrengungen der Karwoche mit deutlicher Stimme. Die Gläubigen rief er auf, Mut zu schöpfen und sich den vielen Übeln in der heutigen Welt entgegen zu stellen. Regierungen und internationale Organisationen forderte er auf, die Probleme in verschiedenen Regionen der Welt zu lösen und für eine friedlichere Weltordnung zusammen zu arbeiten. "Hilf uns, unermüdlich für eine gerechtere und einigere Welt zu arbeiten, die Du mit Deiner Auferstehung eingeführt hast", betete der Papst.

Johannes Paul II. warnte außerdem vor der "Versuchung der Rache", die dem "Mut zur Vergebung" den Vortritt lassen solle: "Die Kultur des Lebens und der Liebe vereitle die Logik des Todes, das Vertrauen gebe dem Leben der Völker wieder Raum. Wenn unsere Zukunft eine einzige ist, ist es Aufgabe und Pflicht aller, sie mit geduldiger und gewissenhafter Weitsicht zu gestalten", sagte der Papst laut Kathpress. Er appellierte auch an Christen, Moslems und Juden ("die Söhne Abrahams"), ihre "Brüderlichkeit zu entdecken".

Ostersegen

Den Ostersegen "Urbi et Orbi" erteilte der Papst in 62 Sprachen. Auf Deutsch rief er: "Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch!" Einen besonderen Gruß richtete der Papst an die orthodoxen Christen, deren Osterfest in diesem Jahr auf denselben Termin fällt. Er bete dafür, dass "dieses fundamentale Fest unseres Glaubens jedes Jahr am selben Tag" erlebt werden könne.

Aus Furcht vor Terroranschlägen fand der Gottesdienst unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Auf den Dächern um den Petersplatz waren Scharfschützen postiert. Rund 1.000 Sicherheitsbeamte hatten sich unter die Gläubigen gemischt. Über Rom war eine völliges Flugverbot verhängt. Lediglich Militärhubschrauber flogen über der Stadt. Abfangjäger standen zum Einsatz bereit. Wer an der Messe teilnehmen wollte, wurde wie sonst auf Flughäfen üblich kontrolliert. Niemals zuvor hatte es derart scharfe Kontrollen auf dem Petersplatz gegeben.

Strapazen

Johannes Paul II. waren die Strapazen der vergangene Tage anzusehen. Bereits in der Nacht zum Sonntag hatte der Papst an der traditionellen Osterwache im Petersdom teilgenommen. Am Karfreitagabend war er bei dem Kreuzweg am Kolosseum dabei gewesen. Der Papst hatte die Prozession sitzend verfolgt, am Ende aber für einige Zeit selbst das Kreuz gehalten.

Während in Rom zehntausende Gläubige zur Ostermesse kamen, fanden sich in Jerusalem nur wenige hundert palästinensische Christen und ausländische Pilger zur Ostermesse in der Grabeskirche ein. Auf Grund der anhaltenden Gewalt bleiben viele Pilger und Touristen dem Heiligen Land fern. Wegen des jüdischen Pessach-Festes durften Palästinenser nicht nach Israel einreisen. (APA/AP/dpa)

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