Gute Chancen für Österreichs Technologie und Fremdenverkehr

27. Juli 2004, 17:41
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Die heimischen Exporte nach Japan sind eher bescheiden - Doch vor allem in Marktnischen können auch innovative heimische Unternehmen bestehen

Tokio – Österreichs Handelsbilanz mit Japan ist chronisch negativ. 2003 gingen Waren wie Autoteile, Maschinen, Möbel, Nadelholz, Kunststoff und Nahrungsmittel im Wert von 855 Millionen Euro von Österreich nach Japan. Die Importe aus Japan – vor allem Elektronik, Autos, Motorräder – betrugen hingegen 1,8 Milliarden Euro. Während viele namhafte japanische Konzerne zumindest mit Handelsniederlassungen in Österreich vertreten sind oder sogar Produktionsstandorte errichtet haben (wie Sony die CD-‑ Erzeugung in Salzburg-Anif), sind heimische Unternehmen in Japan ziemlich selten. Der steirische Motorenentwickler AVL List, der Tiroler Maschinen- und Werkzeugmacher Plansee, der oberösterreichische Motorradhersteller KTM, der Kärntner Chiperzeuger SEZ und die Bäckerei Sailer zählen zu den wenigen, die den Sprung nach Japan wagten und erfolgreich sind.

Mozart

Österreich wird in Japan hauptsächlich nur mit Mozart assoziiert, bestätigt auch der Handelsdelegierte der Wirtschaftskammer, Ernst Laschan, im Gespräch mit dem Standard. Japan sei ein hochinteressanter Markt, aber auch bicht einfach: "Japan ist kein Markt, den man einfach ,mitnimmt‘, sondern eine grundlegende Entscheidung. Die Entfernung ist das kleinere Problem. Da ist vor allem die Sprache und der Mentalitätssprung. Vieles funktioniert nicht so wie in westlichen Unternehmen, manches dauert deutlich länger. Wer das nicht weiß, setzt seine Erwartungen oft am Anfang zu hoch."

Hartnäckigkeit und Charakter auf die Probe gestellt

So sei es durchaus normal, wenn nach einem positiven Besuch eines Unternehmers oder Vertreters in Japan ein Jahr lang keine Bestellung erfolge. "Das hat mit der umständlichen Entscheidungsfindung zu tun, aber auch mit der Prüfung des zukünftigen Partners. Seine Hartnäckigkeit und sein Charakter werden auf die Probe gestellt", so Laschan. Werden alle Mails sofort bearbeitet? Werden alle Fragen bis ins Detail beantwortet? Kümmert sich der potenzielle Lieferant auch noch ohne Auftrag nach einem Jahr regelmäßig um die Kontakte?

"All das will ein japanisches Unternehmen in aller Ruhe abklären. Erst dann folgen Aufträge. Ist man allerdings einmal im Geschäft, kann man von einer soliden Basis ausgehen, die auch nicht wieder grundlos gekündigt wird."

Fremdenverkehrs-Know-how

Gute Chancen für heimische Unternehmen ortet der Handelsdelegierte in Nischenbereichen, in der Technolo-‑ gie und bei österreichischem Fremdenverkehrs-Know-how.

So gebe es in Japan etwa zehn Millionen Skifahrer – und weitere zehn Millionen, die nur aufgrund mangelnder Angebote nicht auf die Pisten kämen. "Es gibt kein Après- Ski, kein modernes Management. Die meisten Skifahrer besuchen dasselbe Skigebiet nicht zweimal – das spricht für sich." Dazu sei der riesige chinesische Markt direkt vor der Haustüre – ein weites Feld für Österreichs Experten. (Michael Moravec, Der Standard, Printausgabe, 10.04.2004)

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