Safaripark Gänserndorf: Tierschutzverein will Betrieb übernehmen

13. April 2004, 20:07
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Plattform zur Rettung des Parks gegründet - Ideen für erste europäische Auffangstation für beschlagnahmte exotische Tiere

Gänserndorf - Der Österreichische Tierschutzverein will den Betrieb des Safariparks Gänserndorf übernehmen. In einem Schreiben an Masseverwalter Ferdinand Bruckner hat die Organisation Interesse an der Fortführung bekundet.

"Viele gut gemeinte Einzelaktionen werden den Safaripark nicht retten können", betonte Erich Goschler, Präsident des Tierschutzvereins.

Finaz unklar

Deshalb habe man nun eine Plattform zur Rettung des Safariparks gegründet. "Derzeit sind viele weitere Einzelaktionen zahlreicher Tierschutzorganisationen im Gange. Diese drohen aber - mangels konkreter Vorstellungen und ausreichender finanzieller Mittel - im Sand zu verlaufen. Auf Grund der finanziell angespannten Lage wird nur eine Bündelung der gemeinsamen Ressourcen zum Erfolg führen", ist Goschler überzeugt.

Auffangstation

Zahlreiche Vertreter österreichischer und deutscher Tierschutzvereine forderten eine Auffangstation für beschlagnahmte exotische Tiere im Safaripark Gänserndorf einzurichten. Dieses Zentrum könne auch als Primatenforschungsstation ausgebaut werden, hoffen die Vereine.

Konkursverfahren verlängert

"Zu 99 Prozent sicher" sei außerdem, dass das Moratorium - also die Konkursverlängerung - um drei Monate verlängert werde, so Harald Schwammer vom Tiergarten Schönbrunn.

Artenschutzabkommen

Österreich habe sich 1982 mit dem Beitritt zum Washingtoner Artenschutzabkommen verpflichtet, ein entsprechendes Zentrum mit angegliederter Unterbringungsmöglichkeit für Exoten zu errichten, was bisher nicht geschehen sei. "Das ist eine einmalige Chance für eine Auffangstation", versicherte Lucie Loube, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins. In den kommenden 30 Jahren sei mit einer exorbitanten Zahl an zu versorgenden Tieren zu rechnen, da durch die EU-Osterweiterung zahllose Zoos und Zirkusse mit "grauenvollen Haltungsbedingungen" hinzukämen.

Kein LAnd hat auffangzentrum für Großtiere

Kein Land der 150 Unterzeichnerstaaten des Abkommens hätte bisher ein solches Zentrum für Großtiere, unterstrich Günther Peter vom europäischen Tier- und Naturschutzbund in Bonn. Somit habe Österreich die Chance, sich an die Weltspitze zu setzen: "Gänserndorf könnte einen Schlüsselpunkt bilden im osteuropäischen Raum", hoffte Peter.

Geld aus EU-Forschungstöpfen

Das Geld müsse aus EU-Forschungstöpfen, vom Staat Österreich und der Pharmafirma Baxter kommen, meinten die Tierrechtler. Der Pharmakonzern hatte 1999 die Tierversuche an Affen in Österreich eingestellt und sie dem Park übergeben. Die 43 Schimpansen hätten mittlerweile soziale Gruppen gebildet, nachdem sie teils 20 Jahre in Einzelhaft gehalten worden seien, betonte heute eine frühere Mitarbeiterin der Safariparks. Baxter hätte sich damals "günstig aus der Affäre gezogen".

Um Besucher zum erhofften Zentrum zu locken, soll ein Investor für die umgebenden Liegenschaften gefunden werden, der mit einem Vergnügungspark Tagestouristen in die Nähe der Anlage lockt. Spenden sammeln wolle man hingegen so lange nicht, bis ein tragfähiges Konzept für den Safaripark vorliege, stimmten die Vereine überein.(APA)

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