Gentest senkt Belastung nach Organtransplantation

16. April 2004, 12:06
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Dosierung von Medikamenten, die eine Abstoßungsreaktion verhindern sollen, lässt sich besser ermitteln

Heidelberg - Ein neuer Gentest soll die Belastung von Patienten nach Organtransplantationen verringern. Mit dem neuen Verfahren lässt sich die Dosierung von Medikamenten, die eine Abstoßungsreaktion des Körpers gegen das neue Körperteil verhindern sollen, besser ermitteln. Dadurch werden zu hohe Dosierungen mit unter Umständen gravierenden Nebenwirkungen vermieden.

Erfolgsrate verbessert

Die Erfolgsrate von Transplantationen hat sich seit Ende der siebziger Jahre mit der Einführung des Medikaments Cyclosporin, das die Immunabwehr unterdrückt, deutlich verbessert. Ein Problem liegt jedoch in der hohen Toxizität des Mittels, das starke Nebenwirkungen verursachen kann. Daher ist es wichtig, die richtige Dosis so zu ermitteln, damit der Patient möglichst wenig geschädigt, aber dennoch eine Abstoßungsreaktion des Immunsystems zuverlässig verhindert wird. Einen Anhaltspunkt dafür lieferte bisher lediglich die Konzentration von Cyclosporin im Blut.

Neuer Gentest

Dies wird durch den neuen Gentest verbessert. Die Wirkung von Cyclosporin basiert darauf, dass das Mittel die Aktivierung verschiedener Gene unterdrückt, die eine Produktion körpereigener Immunstoffe auslösen. Heidelberger Forscher untersuchten mit dem Gentest bei mehr als 100 Patienten, die Cyclosporin und weitere so genannte Immunsuppressiva erhalten hatten, welche Gene in Immunzellen durch die Medikamente unterdrückt wurden. Dabei stimmte der Grad des Rückgangs der Genaktivität weitgehend mit dem Cyclosporin-Blutspiegel überein.

Überlegen

In einigen Fällen erwies sich der Gentest sogar als überlegen. So etwa bei einem Patienten, dessen neues Organ immer wieder abgestoßen wurde. Bei ihm wurde zwar im Blut ein hoher Cyclosporin-Wert gemessen, aber der Test ergab keine Abnahme der Genaktivität. Das Medikament war in diesem Fall offensichtlich wirkungslos. Bei anderen Patienten zeigte der Gentest, dass das Immunsystem durch die erhaltene Dosis stärker als nötig unterdrückt wurde. Hier war eine Verringerung der Dosis möglich. (APA)

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