Missbildungen im ersten Drittel erkennbar

16. April 2004, 12:06
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First-Trimester-Screening der Uni Leipzig ermöglicht 80-prozentige Risikoabschätzung bei Ungeborenen

Leipzig - Missbildungen von ungeborenen Kindern lassen sich mit einem neuen Testverfahren relativ zuverlässig bereits in den ersten drei Monaten sichtbar machen. Das so genannte First-Trimester-Screening ermögliche eine etwa 80-prozentige Risikoabschätzung hinsichtlich des Down-Syndroms und anderer schwerer Gendefekte, berichtete der Leiter der Abteilung für Pränatal- und Geburtsmedizin an der Universitätsfrauenklinik Leipzig, Renaldo Faber.

Erweiterte Ultraschalluntersuchung

Dabei handle es sich um eine erweiterte Ultraschalluntersuchung in der 11. bis 14. Woche, mit deren Hilfe unter anderem eine Wasseransammlung im Rückenbereich gemessen werde. Sei diese größer als 2,5 Millimeter, steige die Gefahr von Missbildungen, berichtete Faber. Zudem spiele bei der Risikoberechnung das Alter der Frau und das Auftreten von Erbkrankheiten in der Familie eine Rolle.

Mehrlingsschwangerschaften

Weniger einschneidende Veränderungen des Erbmaterials der in diesem Zeitraum 45 bis 84 Millimeter großen Föten würden mit geringerer Wahrscheinlichkeit erkannt, erklärte der Professor. Auch Mehrlingsschwangerschaften ließen sich bei der Untersuchung sehr früh einschätzen.

Zudem könnten an dem fünf bis acht Millimeter winzigen Herzen, an Zwerchfell, Nieren, Rückenmark oder Extremitäten schwere Fehlbildungen entdeckt oder ausgeschlossen werden. Seien Fehlbildungen zu befürchten, würden weitere Untersuchungen durchgeführt, wie Punktionen der Plazenta, des Fruchtwassers und der Nabelschnur, um Zellen und Gewebe des Ungeborenen zu gewinnen.

Aus eigener Tasche

95 Prozent der Frauen brechen den Angaben zufolge die Schwangerschaft ab, wenn sie von Gendefekten ihres Kindes erfahren. Die Untersuchungen müssen die Schwangeren zunächst aus eigener Tasche bezahlen, da die Kassen die Kosten nur im Falle nachgewiesener Missbildungen erstatten. Die Ultraschalluntersuchung kostet nach Auskunft der Uni Leipzig zwischen 100 und 150 Euro. (APA)

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