Wenn sonst nichts hilft

16. April 2004, 12:06
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Impftherapie gegen Brustkrebs wird am Menschen getestet - Immunsystem soll Tumorzellen als fremd erkennen und vernichten

Tübingen - Die Impftherapie gegen Brustkrebs macht weiter Fortschritte. An der Universitäts-Frauenklinik Tübingen wird nun in einer klinischen Studie diese neue Methode untersucht, die die Immunabwehr in die Lage versetzen soll, Krebszellen gezielt zu vernichten. Das Verfahren soll vor allem solchen Patientinnen zugute kommen, die mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie bislang nicht geheilt werden konnten.

Immunantwort

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 46.000 Frauen neu an Brustkrebs. 19.000 sterben im gleichen Zeitraum daran. Bislang ist die Reaktion des Abwehrsystems meist zu schwach, um von selbst den Kampf gegen die Tumorzellen zu gewinnen. Die Immunantwort zu verstärken, ist folglich das Ziel der Impftherapie. Zentrale Bedeutung kommt dabei den so genannten dendritischen Zellen zu. Diese Immunzellen werden aus dem Blut der Patientin gewonnen und im Labor mit Tumor-Antigenen gemischt, die das Abwehrsystem dazu bringen sollen, die Krebszellen als fremd zu erkennen.

Die Antigene huckepack

"Die dendritischen Zellen nehmen die Antigene huckepack und wandern nach der Injektion des Zell-Cocktails unter die Haut mit ihrer Antigenfracht zu den Lymphknoten", erklärt Studienleiterin Brigitte Gückel. Dort aktivieren sie gezielt spezifische Abwehrzellen, die wiederum all jene Zellen im Körper vernichten, auf denen die Tumor-Antigene sitzen. Das betrifft laut Gückel besonders das Krebsgewebe und die Metastasen.

Test an dreißig Frauen

Die Impftherapie soll mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe zunächst an rund dreißig Frauen mit Mammakarzinomen in Kombination mit den allgemein anerkannten Behandlungsmethoden getestet werden. Geprüft werden sollen vor allem Wirksamkeit, Verträglichkeit und die optimale Dosierung des Impfcocktails. Gückel dämpft allerdings die Hoffnungen auf eine baldige Anwendung der Therapie im klinischen Alltag: Die Studie stehe "erst am Anfang eines langen Weges hin zum zugelassenen Medikament", betont die Medizinerin. (APA)

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    foto: derstandard.at
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