Koizumi weist Forderungen der Entführer zurück

10. April 2004, 22:14
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Japans Regierungschef: "Können uns nicht feigen Drohungen von Terroristen beugen" - Krisenstab eingesetzt

Tokio - Nach der Entführung von drei Japanern im Irak hat Ministerpräsident Junichiro Koizumi die Forderungen der Kidnapper nach einem sofortigen Truppenabzug kategorisch zurückgewiesen. "Wir können uns nicht den feigen Drohungen von Terroristen beugen", sagte Koizumi am Freitag. Die Regierung in Tokio bildete einen Krisenstab und beauftragte einen ranghohen Mitarbeiter des Außenministeriums, die Bemühungen um eine Befreiung der Geiseln von Jordanien aus zu koordinieren.

Er werde alles tun, um die drei Zivilisten zu retten, sagte der Leiter des Krisenstabs, Yasuo Fukuda, am Freitag. Zuvor hatten die Entführer in einer Videobotschaft gedroht, die Geiseln bei lebendigem Leib zu verbrennen, wenn Japan nicht binnen drei Tagen seine Truppen aus dem Irak abziehe. Die Angehörigen der Entführten baten die Regierung am Freitag, der Forderung der Kidnapper nachzukommen. "Wir möchten alles tun, was wir können, damit er heimkommt", sagte Naoko Imai, deren 18-jähriger Sohn Noriaki unter den drei Geiseln ist. "Ich will, dass die Regierung die Truppen abzieht."

"Wir wissen nicht, wer diese Gruppe ist"

Mit Imai wurden ein weiterer Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, der 34-jährige Nahoko Takato, sowie der 32-jährige Fotojournalist Soichiro Koriyama verschleppt. Zu der Tat hat sich eine bislang unbekannte Gruppe namens Mujaheddin-Brigaden bekannt. "Wir wissen nicht, wer diese Gruppe ist", räumte Koizumi ein. Fukuda sagte, die Regierung habe keinen Kontakt zu den Entführern. Auch er bekräftigte, man werde der Forderungen nach einem Abzug der Truppen auf keinen Fall nachkommen. "Damit würden wir nur das tun, was die Terroristen wollen", sagte Fukuda.

Mehrere Kabinettsmitglieder verwiesen darauf, dass die japanischen Soldaten im Irak einen rein humanitären Auftrag erfüllten. Koizumis Entscheidung, 1.100 Soldaten für den Wiederaufbau des Landes in den Irak zu entsenden, war in der Bevölkerung auf breiten Widerstand gestoßen.

Hunderte Demonstranten fordern Truppenabzug

Nach der Entführung haben hunderte Menschen in Tokio für einen sofortigen Abzug der japanischen Soldaten aus dem Land demonstriert. An der Kundgebung vor den Sitzen der Regierung und des Parlaments beteiligten sich rund 600 Demonstranten. In einem Brief an Ministerpräsident Junichiro Koizumi machten sie ihn persönlich für die Verschleppung verantwortlich.

Koizumi habe gegen alle Widerstände dem Drängen der US-Regierung nachgegeben und Truppen nach Irak entsandt, obwohl er sich bewusst gewesen sei, dass er damit die eigenen Soldaten ebenso wie die irakische Bevölkerung gefährde. Auf Plakaten forderten die Demonstranten den Regierungschef auf, sich im Austausch gegen die drei Japaner den Geiselnehmern zur Verfügung zu stellen. (APA)

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    Friedensaktivisten fordern in Tokyo den Abzug der japanischen Truppen

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