Frau sein allein ist genug

8. April 2004, 21:13
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Eine Replik auf Ulrike Lunacek - Kommentar der anderen von Ulrike Baumgartner-Gabitzer

Dass die außenpolitische Sprecherin der Grünen die Präsidentschaftskandidatin der ÖVP kritisiert, ist für eine Oppositionspolitikerin nicht weiter überraschend.

Bemerkenswert ist allerdings die Verbissenheit, mit der hier eine Frau, die immer sehr selbstbewusst mit ihrem Frausein umgeht, eine andere, die das Nämliche tut, um eine Machtposition zu erkämpfen, attackiert.

Wir Frauen bilden 51 Prozent der Bevölkerung, die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler - und bemühen ununterbrochen Klischees, um uns um Machtpositionen zu balgen. Wenn Frau Lunacek Frau Ferrero-Waldner nicht wählen will, weil sie ihr die Fähigkeit für eine gute Bundespräsidentin abspricht, dann soll sie das sagen. Mangelndes Empowerment für Frauen als Vorwand zu benützen, um einen Mann zu wählen, ist heuchlerisch.

Was hat Heinz Fischer zum Beispiel als langjähriger Parlamentspräsident für die Besetzung der Führungspositionen in der Parlamentsdirektion für Frauen-Empowerment getan? Nichts. Es gibt dort nur männliche Abteilungsleiter, und deren Chef, der Parlamentsdirektor, ist ebenfalls ein Mann. Daher gibt es für Frauen, denen Frauenförderung ein Anliegen ist, keinen Grund, Fischer zu wählen.

Auch was die Faktenlage zu anderen von Frau Lunacek bemühten Vergleichen betrifft, scheint ihr Blick ziemlich getrübt zu sein:

Bei der kürzlich ausgegliederten Austrian Developing Agency, ADA, wo bedauerlicherweise keine Frau in der Geschäftsführung ist, hat sich nämlich leider auch keine dafür beworben. Die Unterrepräsentanz an weiblichen Botschafterinnen ist vor allem darauf zurückzuführen, dass in diesen Funktionen erfahrene und ältere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen tätig sind. Und dass bei den dafür in Betracht kommenden Jahrgängen der Frauenanteil beträchtlich geringer ist, fällt vor allem in die Verantwortung der Ressortpolitik der Siebziger- und Achtzigerjahre. Die damalige Ressortleiterin hieß nicht Ferrero-Waldner.

Faktum ist und bleibt: Bei der Förderung der Frauen ist ein wesentlicher Gesichtspunkt die Repräsentanz von Frauen. Und Benita Ferrero-Waldner hat diesbezüglich die wichtigste Voraussetzung - sie ist eine Frau. Außerdem eine erfolgreiche Ministerin, die ihren Job beherrscht, Fähigkeiten wie Intelligenz, Engagement, Lernbereitschaft und mittlerweile neun Jahre Erfahrung in der Außenpolitik mitbringt, und daher in der Lage ist, das Präsidentenamt hervorragend auszufüllen.

Bedauerliches Facit, was den generellen Verlauf des aktuellen Präsidentschaftswahlkampfs betrifft: Wenn eine Frau gegen einen Mann antritt, kommen immer ganz andere Gesichtspunkte ins Spiel als bei einem Kampf "Mann gegen Mann". Bei der Frau wird die Rocklänge, die Kostümfarbe, die Frisur, ja sogar das Lächeln zum Wahlkampfthema stilisiert, ja sogar zu einem Kriterium für Kompetenz erhoben. Warum lassen wir Frauen uns auf dieses üble Spiel ein? (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.4. 2004)

Siehe
Was heißt hier "sexistisch"?
Ulrike Lunacek über Ferrero-Waldners fehlendes Fempowerment
  • Die Autorin Ulrike Baumgartner- Gabitzer ist
NR-Abgeordnete der ÖVP.
    foto: standard/cremer
    Die Autorin Ulrike Baumgartner- Gabitzer ist NR-Abgeordnete der ÖVP.
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