Raucherpassion (II)

9. April 2004, 21:59
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Jüngst wurde hier der Leidensweg einer Volksgruppe beschrieben, die überall lebt und sich bald nirgendwo mehr zu Hause fühlen darf - die der Raucher. Vom ersten Lungenzug bis zum letzten Kettenqualm: Demütigung, Ächtung, Aussatz. Und nun auch noch Lokalverbot.

Schikanen

Die schlimmsten Schikanen fügen sie sich aber meistens selber zu: Sie gewöhnen sich das Rauchen ab - ohne zu bedenken, dass man sich auch das Abgewöhnen angewöhnen kann. Oder anders: Der Mensch, ein Gewohnheitstier, bringt etwa die Kraft für zehn große Abgewöhnungen im Leben auf. Raucher verbrauchen meistens alle zehn, um sich das Rauchen abzugewöhnen. Danach rauchen sie wieder und haben sich auch sonst nichts abgewöhnt. Immerhin: Sie rauchen weniger. Je weniger sie rauchen, desto leichter könnten sie aufhören. Da sie dann aber wissen, wie leicht sie aufhören können, rauchen sie wieder mehr.

Oder anders: Wenn man sich das Rauchen für immer abgewöhnen will, müsste man nur auf eine einzige Zigarette verzichten: auf die nächste. So leicht wollen es sich die Raucher nicht machen. Sie sind unter seelischen Schmerzen dazu bereit, auf alle Zigaretten zu verzichten. - Nur nicht auf die nächste. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe 9.4.2004)

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