Heer: Beschwerderekord

12. April 2004, 14:42
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Beschimpfungen und Schikanen in Kasernen

Wien - Allein heuer sind bereits 202 Beschwerden eingegangen und "das ist ganz schön viel". Paul Kiss (ÖVP), Vorsitzender der Bundesheer-Beschwerdekommission, präsentierte am Donnerstag den Jahresbericht 2003 über "Miss- und Übelstände" in den Kasernen, die "sicher kein Mädchenpensionat sind".

Unter den 584 Fällen, bei denen es zu einem formalen Beschwerdeverfahren kam, ist etwa jener eines neu eingebürgerten Grundwehrdieners. Mit den Worten "Nimm deinen Teppich und flieg nach Hause" wurde er beim Heer empfangen. Auch für gebürtige Österreicher hat man oft ein freundliches Wort wie "Ich springe ihnen ins Kreuz, dann haben sie keine Rückenschmerzen mehr" über.

Aber nicht nur Beschimpfungen oder Schikanen sind Gegenstand des Beschwerdeberichts. 90 Fälle betreffen bauliche Mängel, 110 stehen in Zusammenhang mit Auslandseinsätzen. Auch die militärärztliche Betreuung bereitet Kiss Sorgen. Wenn etwa einem Soldaten beim EKG eingeredet wird, er sei an einen Lügendetektor angeschlossen.

Für Anton Gaál, ebenfalls im Präsidium der "Ombudsstelle", zeigen Inhalt und Zahl der Beschwerden jedenfalls, dass es beim Bundesheer keine Frauenfeindlichkeit gibt. Nur sechs Anträge wurden von den derzeit 240 Soldatinnen eingebracht.

Nummer eins beim Beschweren sind unangefochten die Grundwehrdiener. Mehr als 50 Prozent der eingebrachten Anträge stammen von ihnen. Insgesamt stieg die Zahl der Beschwerden im Vergleich zu 2002 um 185 Fälle. 2581 Anträge konnten auf informellem Weg im Vorfeld gelöst werden. (kmo/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.4.2004)

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