Original, Dummheit und keine Quote

13. April 2004, 14:46
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Rapid und Mattersburg mögen sich, da spielte das 2:0-Ergebnis nur eine unwesentliche Rolle - Beliebtheit bei den Fans ist ungebrochen

Wien - "Wir waren original besser", sagte Didi Kühbauer und versank in einem Plastiksessel. Darum könne man sich "original" nichts kaufen, seine Stimme klang original trotzig bis zornig, "net amal an Liter Milch - aber den braucht eh keiner. Punkte wären notwendig." Keine Sekunde habe er vor Rapid Angst gehabt, "aber wir sind original zu blöd". Freilich ist das eine unzulässige Verallgemeinerung, Mattersburger sind weder klüger noch dümmer als der Schnitt, das gilt im Fußball wie im Leben. Kühbauer: "Ich meine es so." Sein Trainer Werner Gregoritsch gab ihm insofern Recht, als er meinte, "wir müssen Rapid unglaublich lieb haben, weil sonst kannst des net verlieren. Gäbe es kein Ergebnis, wäre ich glücklich." Es gab original ein 2:0 für Rapid.

Angst vor schönem Spiel

Rapid verwundert, es werden nämlich bestimmte Gesetze außer Kraft gesetzt. Diesmal sind 11.000 Zuschauer ins Hanappi-Stadion gekommen, als hätte es das 0:4 vor ein paar Tagen gegen den GAK nie gegeben; der Anschluss an Pasching kann gerade gehalten werden, die Austria und der GAK sind längst enteilt. Diese drei Klubs haben gemeinsam ungefähr ein halb so großes Mobilisierungsvermögen. Die erste Halbzeit gegen Mattersburg war strapaziös, Trainer Josef Hickersberger hatte "die Unsicherheit fast erwartet. Wir hatten Angst, schön zu spielen." Kapitän Andreas Ivanschitz fühlte sich den Fans zu Dank verpflichtet: "Das ist berauschend, die geben uns Kraft. Das ist Rapid."

Stabilisierung statt Zauberei

Ivanschitz ließ in seinem 100. Ligaspiel immerhin eine Formsteigerung erkennen - er bereitete das 1:0 vor, erzielte das zweite Tor selbst (91.). "Zauberdinge kann man von uns nicht erwarten, es geht ums Stabilisieren." Axel Lawaree, der relativ neue Stürmer, hat seine Ungefährlichkeit sogar einzementiert, er hat in sieben Partien nullmal getroffen. Die Erfolgsquote des Kollegen Roman Wallner ist unwesentlich höher, insofern passen die beiden jetzt schon zusammen. Der teure und gefährliche Rene Wagner versauert derweil auf der Bank. Er wird im Sommer gehen müssen - das Budget ist kein bodenloses Fass. Wagner, für Lawaree eingewechselt, schoss das 1:0 (80.). Hickersberger: "Jeder der drei ist auf seine Art ein Torjäger. Lawaree genießt mein Vertrauen und die Anerkennung der Kollegen."

Gregoritsch wischte das Thema Abstieg weg: "Wer so auftritt, bleibt oben." Hickersberger stimmte dem zu. Rapid und Mattersburg mögen einander. Kühbauer: "Original." (DER STANDARD, Printausgabe, 9. April 2004, Christian Hackl)

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    Goalgetter Rene Wagner steht in Hütteldorf vor dem Abflug. Es sei denn, er trifft und trifft.

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