VA Tech-Chef zerstreut Übernahmeängste bei Kapitalerhöhung

14. April 2004, 11:00
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"Filetierung halte ich nicht für ganz einfach"

Wien - Den Spekulationen um eine mögliche "unfreundliche" Übernahme des heimischen Technologiekonzerns VA Tech kann Konzernchef Erich Becker wenig abgewinnen. Der Börsewert des Konzerns liege mit dem gestrigen Schlusskurs von 43 Euro bei 650 Mio. Euro. "Dieser hohe Preis ist der beste Schutz gegen eine feindliche Übernahme", sagte Becker zur APA. Wenn jemand an der VA Tech interessiert wäre, hätte er sie im Vorjahr zum Niedrigpreis von rund 300 Mio. Euro haben können.

Die 20 Prozent-Grenze, ab der ein VA Tech-Aktionär ein Übernahmeangebot legen muss, sei ein weiterer Sicherheitsfaktor und "nicht mehr aus der Welt zu schaffen", da hiefür eine hundertprozentige Zustimmung aller Aktionäre erforderlich wäre. "Damit kann den Konzern nur jemand zerteilen, der ein Übernahmeangebot macht", so Becker. Der VA Tech-Vorstand habe dem Aufsichtsrat erklärt, dass er "nicht teilungsbereit" sei.

Vorstand gewinnen

Für eine Zerlegung der VA Tech müsste ein den Konzerninteressen "feindlich" gesinnter Übernehmer auch den Vorstand gewinnen. Wenn Beckers Vertrag mit 31. August 2004 abläuft - "ich bleibe bis zum letzten Tag" -, kommt es, wie die Dinge liegen, voraussichtlich zu einer internen Nachbesetzung. Als chancenreichste Kandidaten werden die Vorstandsmitglieder Klaus Sernetz (Infrastruktur/Elin-EBG) und Werner Falch (Metallurgie/VAI) gehandelt, von denen kein Strategiebruch erwartet wird.

Wenn alle Sparten gut verdienen werde der Appetit für eine Aufteilung der VA Tech nicht sehr groß sein, sagte Becker. Das sei nur ein Thema vor zwei Jahren gewesen, als es dem Voest-Alpine Industrieanlagenbau (VAI) schlecht gegangen sei, der sich inzwischen sehr gut erholt habe. Ferner hätten bei einer Filetierung auch die Hausbanken "ein Wort mitzureden".

Kapitalerhöhung

Die geplante Kapitalerhöhung verteidigte Becker heute erneut. Der Aufsichtsrat habe am 12. Februar den Antrag des Vorstandes einstimmig gut geheißen. Eine Unternehmensanleihe würde die unbefriedigende Eigenkapitalsituation weiter verschlechtern und wäre daher keine Lösung. Wenn jemand stärker bei der VA Tech einsteigen wolle, brauche er dazu keine Kapitalerhöhung. "Schon heute hat jeder in Österreich die Möglichkeit, größter Aktionär der VA Tech zu werden, wenn er mehr als 15 Prozent hat", so Becker. Im Vorjahr, als die Victory-Gruppe um Mirko Kovats rund 19 Prozent an der VA Tech gehalten hatte, habe die ÖIAG im August 2003 ihren Anteil freiwillig von 24 auf 15 Prozent reduziert und sich in die zweite Position zurückgezogen. Nachher sei die ÖIAG nicht durch eigene Maßnahmen, sondern nur dank Victory wieder zur Nummer eins geworden, da die private Gruppe ihren Anteil bis auf 12,5 Prozent verkauft habe. "Ich verstehe die heutigen Bedenken nicht, wenn Victory wieder größter Einzelaktionär werden sollte", so Becker.

Die ÖIAG habe die Aufgabe, eine nach menschlichem Ermessen möglichst solide Aktionärsbasis zu hinterlassen. Ob diese bei VA Tech mit der Victory-Gruppe gegeben wäre, könne man "nicht über drei Monate" beurteilen. Die bisherige Verweilzeit von Victory bei VA Tech sei für eine derartige Beurteilung noch zu kurz. "Ich glaube, dass die ÖIAG für einen gewissen Zeitraum noch in der VA Tech bleiben soll", sagte Becker. Da der Privatisierungsauftrag für die VA Tech an die ÖIAG bis Ende dieser Legislaturperiode laute, also bis voraussichtlich 2006, sei für einen ausreichenden Übergangszeitraum gesorgt.

Dass es für die VA Tech politisch getriebene Bemühungen für die Bildung einer österreichischen Kernaktionärsschicht gebe, davon sei ihm nichts bekannt, sagte Becker. Ihm gegenüber habe sich auch kein Übernahmeinteressent zu erkennen gegeben, also etwa der in Medien kolportierte Siemens-Konzern.(APA)

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