Süßer die Glocken klingen

25. Oktober 2006, 17:02
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Bartlme Grassmayr legte mit seinem ersten Glockenguss das Fundament für einen mittlerweile über 14 Generationen bestehenden Familienbetrieb

Wien - Die Geschichte der Glockengießer Grassmayr aus Innsbruck beginnt im Jahre 1599. Bartlme Grassmayr, der nach einigen Wanderjahren in Deutschland und als Gießer ausgebildet nach Tirol zurückkehrte, legte mit seinem ersten Glockenguss das Fundament für einen mittlerweile über 14 Generationen bestehenden Familienbetrieb. Das Fachwissen der Glockengießkunst und das Geheimnis der Glockenkonstruktionen wurden seither gehütet und jeweils vom Vater an den Sohn weitergegeben.

Weltweit - in über hundert Ländern - erklingen Glocken aus der Tiroler Gießerei. "Wir liefern", sagt Christof Grassmayr, Vater der heutigen Geschäftsführer Johannes und Peter "eigentlich überall hin, wo Christen leben." Mit 35 Mitarbeitern erwirtschaftete der Betrieb 2003 einen Gesamtumsatz von rund vier Millionen Euro. In einem eigenen Glockenmuseum wird die Gießkunst dem interessierten Publikum vorgestellt.

Eine Glocke wird aus drei Teilen hergestellt, die sechs Wochen vor dem Guss aus Lehm geformt werden. Der erste oder innere Teil ist der Kern; der zweite Teil die "falsche Glocke", die genau der späteren fertigen Glocke entspricht und der dritte Teil der Mantel, der über die "falsche Glocke" gelegt wird. Eine Woche vor dem Guss wird der Mantel hochgezogen, die "falsche Glocke" herausgeschlagen und der Mantel über den Kern gestülpt. Der Hohlraum dazwischen wird am Gusstag mit etwa 1100 Grad heißer Bronze gefüllt. Glockenbronze besteht zu 22 Prozent aus Zinn und zu 78 Prozent aus Kupfer.

Musikinstrument

"Der Hohlraum", erklärt Grassmayr, "muss auf den Zehntelmillimeter genau stimmen, sonst ist der Ton falsch. Eine Glocke ist ja ein Musikinstrument." Eine große Glocke kann bis zu 50 verschiedene Töne erklingen lassen. Preisauskunft möchte man keine erteilen, doch "ist eine Glocke günstiger, als man denkt". Ostern ist für die Grassmayrs etwas Besonderes, da neu gefertigte Glocken "in der Osternacht dann zum ersten Mal läuten". (Barbara Forstner, Der Standard, Printausgabe, 09.04.2004)

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    Mitarbeiter der Glockengießerei Grassmayr anläßlich der 300 Jahr Feier anno 1899.

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