Attentäter von Madrid planten offenbar Anschlag auf Einkaufszentrum

9. April 2004, 11:08
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Sprengstoff und Karte in zerstörter Wohnung in Madrid gefunden - Suche nach Verdächtigen von Madrid-Anschlägen führt auch nach Bosnien

Madrid/Zagreb - Mit ihrem Sturm auf eine Wohnung in Madrid in der vergangenen Woche hat die spanische Polizei offenbar einen bevorstehenden Anschlag auf ein Einkaufszentrum vereitelt. Die Zeitung "El Mundo" berichtete am Donnerstag, die Beamten hätten in den Trümmern der Wohnung eine Karte von Parquesur gefunden, einem Einkaufs- und Vergnügungszentrum außerhalb von Madrid. Zudem seien zwei Rucksäcke und ein Gürtel mit Sprengstoff entdeckt worden.

Der Anschlag sollte nach dem Bericht von "El Mundo" entweder in der Woche vor Ostern oder am vergangenen Sonntag stattfinden, einen Tag nach der Razzia, bei der sich die Verdächtigen ihrer Festnahme durch Selbstmord entzogen. Parquesur besteht aus 193 Geschäften, einem Hotel und mehreren Kinos mit insgesamt 2.500 Sitzplätzen. In der Woche vor Ostern, wenn viele Spanier Urlaub und die Kinder Ferien haben, halten sich dort noch mehr Menschen auf als sonst. Bei der Explosion in der Wohnung waren am Samstag wahrscheinlich sieben Menschen ums Leben gekommen.

Die Zeitung "El Pais" berichtete unterdessen, die Polizei habe wenige Tage vor der Bombenserie des 11. März einen Hinweis auf das Versteck der mutmaßlichen Attentäter erhalten. Beamte hätten das Haus 30 Kilometer südöstlich von Madrid aufgesucht, in dem nach Angaben der Behörden die Bomben gebaut wurden. Die Polizisten hatten jedoch keinen Durchsuchungsbefehl und notierten nur die Nummernschilder der geparkten Fahrzeuge. Nachbarn hatten die Polizei alarmiert, wie die Zeitung weiter berichtete. Sie hatten einen schwer beladenen Wagen gesehen und vermutet, die Hausbewohner handelten mit Drogen oder gestohlenen Gegenständen.

Ein Untersuchungsrichter hatte am Mittwoch Haftbefehl gegen zwei weitere verdächtige Marokkaner erlassen. Insgesamt befinden sich derzeit 17 Verdächtige in Haft. Bei den Bombenanschlägen in vier Pendlerzügen in Madrid waren vor vier Wochen 191 Menschen ums Leben gekommen. Suche nach Verdächtigen führt auch nach Bosnien

Die Suche nach den Verdächtigen der Madrider Terroranschläge vom 11. März führt die Ermittler nun anscheinend auch nach Bosnien-Herzegowina. Die spanischen Behörden sollen den Balkan-Staat ersucht haben, die Identität des 23-jährigen Sanel Sjekirica zu überprüfen. Der Staatsbürger Bosnien-Herzegowinas werde verdächtigt, an der Organisation der Anschläge beteiligt gewesen zu sein, berichtete die kroatische Tageszeitung "Vecernji list" am Donnerstag.

Laut "Vecernji list" sagte der spanische Innenminister Angel Acebes, dass Sjekirica gemeinsam mit Amer el Aziz (36) und Rabei Osman Ahmeli (33) von der Wohnung im Süden Madrids weggelaufen sei, in der weitere Verdächtige am Wochenende Selbstmord verübt hatten. Die drei Männer sollen auch mit dem gescheiterten Anschlag auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Sevilla von vergangener Woche in Verbindung gebracht werden.

Die Zeitung berichtete, spanischen, britischen und US-Medien zufolge werde Sjekirica außerdem mit dem Terrornetzwerk El Kaida (Al Qaida) in Verbindung gebracht. Dieses habe während der Kriege in Ex-Jugoslawien mittels humanitärer Organisationen aus arabischen Staaten in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und in Teilen Albaniens ein Netz von Mitgliedern aufgebaut.

Das bosnisch-herzegowinische Sicherheitsministerium habe Ermittlungen angekündigt. Die Behörde schloss laut "Vecernji list" allerdings nicht aus, dass ein Mitglied einer terroristischen Organisation aus einem arabischen Land einen auf Sjekiricas Namen lautenden Pass auf dem Schwarzmarkt gekauft habe. (APA/AP)

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