Slowakei: Aufrufe zum Wahlboykott

11. April 2004, 16:30
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Stichwahl Meciar–Gasparovic: Auf Koalitionsebene herrscht blankes Entsetzen darüber, dass die beiden am 17. April gegeneinander antreten werden

Die Slowakische christliche und demokratische Union (SDKÚ) von Mikulás Dzurinda hat nach dem Wahlfiasko ihres Kandidaten Eduard Kukan, der vergangenen Samstag in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen durchgefallen war, im Blitztempo gehandelt. Am Montag sicherte das SDKÚ-Präsidium sowohl dem Premier als auch allen Kabinettsmitgliedern der Partei volle Unterstützung zu – und beendete alle Spekulationen über einen eventuellen Rücktritt Dzurindas als Ministerpräsident oder zumindest als Parteivorsitzender.

Auf Koalitionsebene hingegen herrschte weiterhin das blanke Entsetzen darüber, dass Expremier Vladimír Meciar und sein ehemaliger Anhänger und Parteifreund Ivan Gasparovic in der Stichwahl am 17. April aufeinander treffen werden. Ein erster Versuch der vier Parteien der Mitte-rechts-Regierung von Bratislava, über den weiteren Kurs und die Zukunft der angeschlagenen Koalition zu diskutieren, schlug fehl, der Koalitionsrat wird sich erst nach der Stichwahl wieder treffen.

Die Ungarnpartei SMK wird bei der Stichwahl jedenfalls keinen der Kandidaten unterstützen, da es jetzt nicht einmal mehr die Alternative des "kleineren Übels" gebe. Das gleiche gilt für die SDKÚ. Die Christdemokraten (KDH) und die liberale Allianz des neuen Bürgers (ANO) wollen ihre Wähler auffordern, in der zweiten Wahlrunde nicht zu den Urnen zu gehen.

Politologen und Analytiker sind sich einig, dass solche Aufforderungen Meciar in die Hände spielen. Seine Wählerschaft ist traditionell die stabilste und aktivste in der Slowakei – je niedriger also die Teilnahme sein wird, umso sicherer erscheint sein Wahlsieg. Mit Spannung werden daher zwei TV-Duelle der beiden einstigen Parteigenossen Anfang nächster Woche erwartet. Diese dürften wahlentscheiden sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2004)

Von
Renata Kubicová aus Bratislava
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    Ivan Gasparovic (li) und Vladimir Meciar beim Shakehands in Bratislava.

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